Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Eva Herman bei Kerner als Thema der Blogoszene Freitag, 12. Oktober 2007

Filed under: Blogging,Eva Herman,Medien,Stefan Niggemeier — peet @ 14:45 Uhr
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Mehr als 670 Texte sind dem Thema gewidmet, in nur zwei Tagen, nur von deutschen Bloggern. Technorati und Google versagen – man kann kaum den Überblick behalten. Hier kommt Web 2.0 an seine Grenzen. Wie kann man sinnvolle Beiträge noch herausfiltern? Das Meistgelesene und Meistkommentierte ist aus meiner Sicht weniger relevant als die Texte, die ich im weiteren zitieren werde, obwohl sie von wenigen beachtet wurden. Wir müllen uns selbst zu, eine bittere Perspektive. Wenn man bedenkt, dass vor einigen Tagen blogscout.de geschlossen wurde, und wenn man sich den Überblick zu dem Thema dieses Postings bei rivva.de verschafft hat (am Ende komme ich dazu noch einmal), dann zeigt dieser Einzelfall noch mehr, wie schwer oder fast unmöglich es wird, sich die gesuchte Information direkt zu holen.

Zurück zur vox populi im Bezug auf Eva Hermans Auf- und Austritt bei der Kerner-Show. Die ersten Reaktionen habe ich für mich folgendermaßen sortiert:

I. Pro Herman

1. Die Unterstützung aus ideologischen Gründen, überwiegend von neuen Rechten und erzkonservativen Autoren und Lesern, die immer aktiver werden und nicht nur in Foren, sondern sich zunehmend mehr in eigenen und fremden Blogs verbreiten. Besonders ausgewachsene Beispiele verlinke ich, hoffentlich als Abschreckung und nicht als Werbung.

André F. Lichtschlag stellt Eva Herman bei ef-online (Link) auf das Opferpodest zusammen mit Hohmann in der Sprache der „Jungen Freiheit“:

Eva Herman wurde wie zuvor Martin Hohmann federführend von Springers „Bild“-Imperium in die braune Ecke geschrieben.

Weitere Loblieder mit den unzähligen Umschreibungen der „herrschenden“ „Gesinnungsdiktatur“ sind zum Beispiel bei Daniel P. Schuster (Link) zu lesen:

Und warum Sie sich nicht entschuldigt? Mensch! Spricht ja wieder für die Nazis – Die haben sich auch nie entschuldigt! Vielleicht hat Sie aber auch das Medientheater einfach nur satt. Es wäre verständlich. 

Insbesondere sind sie aber [update] in den darauf folgenden ausführlichen Kommentaren 21 und 22 von einem condorare zu bedauern oder bei abstrusen Ausschweifungen in Kommentaren wie:

der Bürgerkrieg in diesem Lande geht in die heiße Phase über. (Link)

In dem zuletzt zitierten Organ der Neuen Rechten werden Armin Mohler und Broder in einem Atemzug positiv erwähnt. Dazu komme ich später noch zweimal.

2. Noch viel mehr Beispiele fand ich für eine diffuse Unterstützung, weniger aus ideologischen Gründen, mehr aus Mitleid oder Mitgefühl. In der Art, wie man eine sympathische Person in einem Reality-Show unterstützt. So im Blog matziberlin (Link), wo unter anderem auch Fanpostings für Eva Hermans Position und auch nur Haltung wiedergegeben werden. Medienblogger fragt sich (Link),

warum es Kerner nicht gelingt, sie vor sich selbst zu schützen […]

Im No-Angel-Inside’s-Weblog heilt der Autor seine Schlaflosigkeit durch die ausführliche Beschreibung des Showablaufs und empört sich (Link):

Sagst Du was gegen Ausländer, bist Du ein Rechter! Kommt Kritik gegen Israel oder die Juden im Allgemeinen, bist Du ein Rechter! DAS kann so nicht sein und auch hier sehe ich ein übles Defizit, was die Diskussionskultur in Deutschland angeht. So würgt man Diskussionen ab, schränkt bewusst die Meinungsfreiheit ein und schadet damit einem konstruktiven Dialog auf vielen Feldern der Gesellschaft. Kurz zur Erinnerung und dazu gibt es einige Beispiele in der Vergangenheit: Wenn dann mal wieder der Druck des Zentralrates der Juden in Deutschland zu groß wird, müssen Politiker zurück treten oder andere Menschen verlieren ihren Job!

So nähern wir uns der berüchtigten vox populi schon wieder – Broder lässt grüßen, auch wenn er in diesem Fall nicht erwähnt wurde.

Noch eindeutiger für Herman, aus Empörung über die Medien und die Politik, tritt ein Manfred Bartl auf, der selbst gerne Politiker werden will. Er zitiert dabei die katholische „Tagespost“ (Link):

Ob Joachim Kardinal Meisner oder Eva Herman – gnadenlos dreschen die Medien auf jene ein, die es wagen, ihre Popularität auch dazu zu nutzen, vermeintlich Unpopuläres zur Sprache zu bringen.

Eine Mitarbeiterin des Außenministerium, die sich von allem distanziert, was ihr Schwierigkeiten im Job bringen kann, steigert sich noch mehr hinein (Link):

Eine Frau so im Fernsehen vorzuführen ist pervers und nicht angebracht. […] So vorgeführt wurden nicht einmal NS-Kriegsverbrecher in Nürnberg.

3. Die nächste Steigerung führt zur Verurteilung Kerners. Weiter als alle anderen geht Florian K. bei Kreuz.net (Link), der diesen „Hinrichtungsjournalist“ nennt:

Ein ZDF-Talkshowmaster hat gestern Eva Herman in eine Falle gelockt, um sie anschließend mit einem in Deutschland schon länger nicht mehr öffentlich zelebrierten Sadismus zu Hackfleisch zu verarbeiten. […] Das von Kerner unter dem Schein einer Talk-Show veranstaltete Tribunal gegen Frau Herman vollzog sich im aufgeheizten Klima eines Schauprozesses. Frau Herman wurde zum Beispiel auf den Begriff „gleichgeschaltete Presse“ angesprochen, den sie früher einmal erwähnt hatte. Kerner wußte, daß dieser Ausdruck ein „Begriff des Nationalsozialismus“ sei.

Ob es an diesem Punkt überhaupt noch angebracht war, in der Sprache Adolf Hitlers († 1945) weiterzureden? […] Moderator Kerner heuchelte nach der Aufzeichnung, er hätte die Hoffnung gehegt, daß Frau Herman „ihre problematischen Äußerungen im Gespräch relativieren würde“.

„Als klar war, daß wir dabei nicht weiterkommen“, habe ich das Gespräch mit ihr beendet und mit meinen anderen Gästen fortgesetzt, erklärte er. In der Sendung hatte er ein Zitat aus dem Herman-Buch „Das Eva-Prinzip“ wirkungsvoll mit einem Zitat des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg († 1946) verglichen.

Diese Todesdaten wie auch die verdammende Sprache sind selbstredend.

II. Eher gegen Herman, aber eigentlich allgemein gemeint, dazu noch im Plauderton schreiben Autoren, die am meisten gelesen und verlinkt werden. Deren Texte werden offensichtlich von allen Seiten als eine Projektion der eigenen Gedanken aufgenommen und kontrovers diskutiert im schieren Glauben, der Autor sei deren Meinung, auch wenn das gar nicht stimmt. Vorbildlich populistisch hier ist wie immer „Politically Incorrect“ mit 561 Kommentaren in einem Fall (Link), ohne dass der Ausgangstext eine Position benennt, und mit 208 Kommentaren im anderen Fall (Link), mit einer deutlichen Positionierung für Herman und einer Anstiftung zur Hetze gegen ihre Gegner.

1. An der Spitze steht hier der Text im Basic Thinking Blog (Link):

Spannend zu sehen, wie Medien arbeiten, Lapalien aufbauschen und der Öffentlichkeit präsentieren. […] JBK hat mit Eva eben gespielt und die Situation nicht deeskaliert, als es soweit war. Dass dann ein sich in die Ecke gedrängter Mensch im Adrenalinoverflow Dummheiten sagt, kann man oW entschuldigen. Man sollte bei der ganzen Story eben das Menschsein nicht vergessen. Ganz schön linke Titte dieser JBK. Und Eva hat sich wie ein kleiner Doofie verhalten, der noch nie im Fernsehen war. Einige Kommentatoren meinen, dass JBKs Verhalten quotenangepasst sei, es sei also kein Zufall, was da passiert sei.

Es menschelt halt, unter der Rubrik „Kurioses“, eben Lappalien. Stellvertretend für Dutzende anderer Postings und Kommentare.

2. Eher gegen die Institution Fernsehen und Medien allgemein wendet sich der Artikel bei telepolis, der auch sehr populär geworden ist (Link). Schon im Titel werden die Weichen gestellt („Die neue Antifa“). Mit großer Wucht werden hier die „Scheindiskussion“, der „Entrüstungszirkus“ etc. angeprangert. In der Tat ist der Artikel aber die Folge des wichtigsten Wortbeitrages über den ganzen Skandal, nämlich von Henryk M. Broder. Eigentlich hat er zwei Artikel geschrieben, einmal im Spiegel (Link), einmal im Tagesspiegel (Link). Die meisten Leser sind vom ersten begeistert, egal ob links oder rechts. Das mag verwundern:

Als Eva Herman nach genau 55 Minuten von Kerner aus dem Studio komplimentiert wurde („Ich entscheide mich für die anderen drei Gäste und verabschiede mich von Eva Herman“), hatten sich alle Selbstgerechten nicht nur am falschen Objekt abgearbeitet, es endete auch eine der längsten Antifa-Sitzungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Es ist ein Antifaschismus, der sich von seinem eigentlichen Gegenstand längst verabschiedet hat und dort am besten gedeiht, wo es keinen Faschismus gibt: in einem virtuellen Raum des wohlfeilen Widerstands.

Johannes Gross hat es so formuliert: „Je länger das Dritte Reich zurückliegt, umso mehr nimmt der Widerstand gegen Hitler und die Seinen zu.“

Die konservativen nehmen daraus die Beschimpfung der oberflächlichen Antifa-Bewegung und ignorieren den Rahmen bzw. lassen ihn aus. Die geißelnde Kritik nehmen sie für sich.

In jedem Fall ist der Eva-Herman-Fall hier nur eine Vorlage, um über die (unvollkommen oder ganz schief laufende) Verarbeitung der deutschen Geschichte in der Gesellschaft zu schwadronieren. Auch sie, samt dröhnenden Tönen, wird einverleibt, durchgekaut und – mehr oder weniger verdaut – weitergegeben. Für meine Begriffe sind beide Texte Broders etwas zu schnell geschrieben, ohne die aktuelle Rezeption zu berücksichtigen.

III. Gegen Herman

1. Reißerische Töne schmücken meist die journalistischen Beiträge. Der meist zitierte Text von dieser Sorte stammt von Carin Pawlak („Fokus„) und wurde von den Neuen Rechten mit Jubel aufgenommen (Link):

Ihre [Eva Hermans] Thesen sind so dumm, dass man an Ihre Bücher sofort mit dem Feuerzeug dran möchte. So ein bisschen anbrennen will.

2. Etwas ruhiger kommen bloggernde Journalisten, die an der Spitze der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen. Unterhaltsam, deutlich und in einer gewissen Konkurenz zueinander klären sie das lesende Publikum auf und stellen sich bereit zum Dialog mit Lesern – egal, ob klug oder dumm. Hier nenne ich vier Beiträge. Beim „Spreeblick“ (Link) wird nicht nur die Story nacherzählt, sondern auch die Meinung sehr deulich ausgesprochen, begleitet von 109 Kommentaren:

Das, was Eva Herman gesagt hat, gibt die Lebenslüge der deutschen Konservativen wieder. Ein böser, böser Mann hat das grundgute deutsche Volk ins Verderben geführt. […] Verharmlosen Konservative den Nationalsozialismus? Nein. Sie wehren sich dagegen, Lehren aus dieser Zeit zu ziehen. […]

Im Versuch, Eva Herman von der rechten Ecke, in der sie mit Überzeugung steht, in die rechtsextreme Ecke zu drücken, zeigt sich die Feigheit vor der Debatte ebenso wie die Sensationslüsternheit der Mainstream-Medien, die wissen, dass Nazis sich gut verkaufen, die alten Verführer. Dieser Versuch ist durchsichtig, wird durch penetrante Wiederholung nicht besser und nutzt niemandem.

Beim „Coffee and TV“ entwickelt sich eine Folge aus drei Beiträgen, die nur von wenigen Kommentaren begleitet werden, – zuerst ziemlich plauderig (Link), dann folgt eine etwas ernstere Medienbeobachtung (Link) und anschliessend eine ausgezeichnete Sprachanalyse (Link), die er absolut genau beendet:

Eva Hermans Weltsicht ist eine […] verquastete Melange aus Kapitalismuskritik, Schöpfungslehre und Fortschrittsfeindlichkeit.

Stark ausholt auch „Der Spiegelfechter“ (Link). Wie beim „Telepolis“, wird hier auch der „Medienzirkus“ angeprangert, das „Volksgericht“ etc. Alle kriegen ihr Fett ab:

Frau Herman ist von Medien in die Gesellschaftspolitik gewechselt und sie beherrscht die Klaviatur des „Skandals“ sehr gut. Die üblichen Verdächtigen standen schon Gewehr bei Fuß. BILD hat seine Schlagzeilen und die Zielgruppe ein neues Idol – in einer Online-Umfrage auf BILD.de fraternisieren 60% der Leser mit dem Blondchen. Auch der Zentralrat der Juden ist sich nicht zu schade, auf diese Gossen-Kampagne aufzuspringen. Herman lässt sich derweil – kalkuliert provozierend – von erzkonservativen Papisten feiern.

Jemand, der wie Herman, anlässlich des Geburtenrückgangs hysterisch eifert “Wir sterben aus“, der trägt mehr im Sinne als nur ein konservatives Familienbild, das gesellschaftlich durchaus diskutabel ist. Hier geht es um nationalistische Deutschtümelei, eingepackt in eine Familienbilddiskussion, die überfällig erscheint.

Leser bedanken sich für so viel Projektionsfläche mit 91 Kommentaren. Der Sieger dieses Wettbewerbs ist eindeutig Stefan Niggemeier, der mit vier Beiträgen zum Thema die meisten Leser um sich herum versammelt hat, insgesamt mehr als 550 Kommentare! Erfolgreich in der Werbung himself, zielt er auf das eine Thema:

Das eigentlich Erschreckende ist, wie dumm jemand sein kann, wie ahnungslos, wie dilettantisch und laienhaft in einer Medienwelt, in der sie sich seit vielen Jahren professionell bewegt.

Wäre sie kein Profi, es wäre fast mitleiderregend gewesen, mitanzusehen, wie sich Eva Herman immer weiter um Kopf und Kragen redete. (Link)

In den Kommentaren zeigt sich Stefan noch besser:

Ein Wort zum Thema „Gleichschaltung”: Da ist Frau Herman schon wieder selbst in die Opferrolle geschlüpft, und viele hier scheinen ihr die Behauptung abzunehmen, dass man nun nichtmal das Wort „Gleichschaltung” benutzen darf, ohne in die Nazi-Ecke gestellt zu werden. Das ist Unsinn. Der Punkt war, dass sie schon (ob zu Recht oder zu Unrecht) in der Nazi-Ecke stand. Und zur Verteidigung und zur Beteuerung, dass sie da zu Unrecht steht, benutzt sie ein Wort, das vor allem und ursprünglich von den Nationalsozialisten benutzt wurde?! Wie dumm kann man denn sein?

Natürlich „dürfen” andere Leute in anderen Zusammenhängen von „Gleichschaltung” reden. Was „erlaubt” ist und was sanktioniert wird, hängt nicht nur von einem Wort ab („Autobahnen!”) oder von einem Thema („Drittes Reich!”), wie uns Frau Herman glauben machen möchte und womöglich selbst glaubt, sondern vom Kontext, vom Sprecher, von der Klarheit der Intention. (Link)

3. Fast komplett vergisst Thomas Knüwer Eva Herman und beschäftigt sich mit Kerner (Link). Sein Thema:

Wenn ich an diesem Morgen einen Wunsch frei hätte, dann wäre es ein Frühstück allein mit Kerner. Denn zu gern würde ich von ihm hören, was ihm durch den Kopf ging. So ganz ehrlich, nur unter uns beiden. Ob sein Deo versagte, in dem Moment, als er versucht hatte, die unselige Diskussion zu beenden, seine Gäste minus Herman partout nicht zur Tagesordnung übergehen wollten? Ob er befürchtete, die Hinausgebetene würde austicken, eine große Show machen, herumschreien? Ob ihm bewusst war, wie unendlich surreal das sich anschließende Geplänkel über Handtaschenkauf und Reiseerlebnisse war?

Zum Glück findet sich ein Kommentator, der diese Vorlage ausnutzt:

Journalist Kerner wird bei Journalist Beckmann sitzen um über sein Interview mit der Journalistin Herman zu sprechen und die Journalisten des Landes, unter ihnen Niggemeier und Knüwer werden darüber schreiben: Journalisten-Parallelgesellschaft. [Jörg Friedrich]

4. Die Beiträge, die den Fall korrekt beschreiben und vernünftig kommentieren, sind eher in der Mitte der Gesellschaft zu finden. Ich habe die folgenden für mich gerne entdeckt.

Beim fixmbr (Link) hat Chris den Verlauf der Show gut beschrieben, bevor der komplette Text online gestellt wurde. Ein „Khaos-Jabber“ hat ausführlich und korrekt die historischen Hintergründe erleuchtet (Link). Kurz und knackig sind Postings von Marcel (Link) und einem „Endlichraucher“ (Link). Christian, ein Politologiestudent hat das Thema auch nicht verfehlt (Link), aber besonders schön im Kommentar ergänzt (Link):

Ein Politikstudent lernt im Grundstudium, daß eine der Voraussetzungen für das Funktionieren der Demokratie die allgemeine Bereitschaft zum Verzicht auf gewaltsame Konfliktlösung ist. Das schließt psychische Gewalt, also auch das verbale Fertigmachen auf persönlicher Ebene, mit ein. Wenn ein Moderator einen Gast vor laufender Kamera rausschmeißt, andere Gäste mehrfach Dinge kreischen wie „Ich halte es nicht aus, mit dieser Frau in einem Raum zu sitzen!“ und das alles von einem johlenden, applaudierenden Publikum begleitet wird, dann hat das für mich nichts mehr mit einer sachlichen Auseinandersetzung zu tun. Die Dummheit der Eva Herman ist keine Rechtfertigung für so ein demütigendes, zutiefst ekelhaftes Spektakel.

Ich möchte an dieser Stelle noch einige Kommentare zitieren, die mir gefielen:

Man sieht am Beifall, den sie bekommt, von einem kleinen Teil sehr konservativer Katholiken, der NPD oder der „Jungen Freiheit”, dass da Menschen sind, die nur auf solche Äußerungen warten. Dann muss man aber die Argumentationen präzise widerlegen. Das ist im Fall Eva Herman nicht so schwer, aber es muss getan werden. Nicht, um die NPD-Anhänger zu überzeugen, sondern diejenigen, die ehrlich keine Ahnung haben. Herman hat eben den riesigen Vorteil, extrem bekannt zu sein und in den traditionellen Medien regelmäßig aufzutauchen. Das ist für die Zurück-zum-Herd-Fraktion viel mehr wert als tausend Unbekannte, die lautstark dasselbe fordern. [JochenK]

Ich kenne diverse rechtspopulistische Professoren und um das zu erkennen benötigst du die Kenntnis der Materie. Falls diese nicht verhanden ist läufts du diesen vielleicht sogar unwissend hinterher. Ein immenses Gefahrenpotential.

Ich lehne mich sogar soweit heraus, das ich die Lehre der Geschichtslehrer selbst in der Oberstufe als bestenfalls Halbwissen bezeichne.

Die liebe Eva bei dieser Hexenjagd ist ein eklatantes Beispiel für das mangelnde Geschichtsbewußtsein, welches bei gesamten Volk offenbar ist. Das Gros weiß wo es die Klappe zu halten hat, meist jedoch aber nicht warum. Wissen ist etwas völlig anderes … [Oliver]

Als Gegenbeispiel auch ein Kommentar, einfach köstlich:

Ich als Mutter denke auch oft über die Dummheit von Vorgesetzten und Chefs nach und über die Dummheit vieler Menschen die nicht sehen was Mütter alles können. [Link]

IV. Nachbesprechung

Seit der Text der Sendung schriftlich vorliegt (Link), wird daran neu gearbeitet, zum Teil mit einer beeindruckenden Akribie, auch wenn das nicht unbedingt hilft (Link):

Ich muss lernen: Man darf über den Verlauf der deutschen Geschichte nicht sprechen, um nicht in Gefahr zu kommen. Womit sie absolut recht hat, wie man sieht!

Tja, so geht das weiter. Ich möchte hier abbrechen und noch einmal die Anfangsfrage wieder aufrollen.

1. Die besten Texte kommen nicht von den Zeitungsprofis, sondern von bloggernden Journalisten.

2. Keine Suchmaschine hilft die Spreu vom Weizen zu trennen. Rivva erschwert die Suche, da der kumulative Effekt diejenigen Texte nach oben bringt, die von meistgelesenen oder meistverlinkten Autoren stammen, was nicht immer und nicht unbedingt eine gute Qualität bedeutet.

3. Eva-Herman-Fall ist der erste öffentliche Skandal, der mehr und genauer in der Blogoszene besprochen wurde als in den „alten“ Medien.

4. Die meiste Zahl der Lesungen bekommen Beiträge mit einem marktschreierischen Titel, dann rollt die Lawine von alleine. Im Dashboard vom WordPress kann man das, glaube ich, sehr klar sehen.

Stimmt das alles oder habe ich Recht? :-)

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28 Responses to “Eva Herman bei Kerner als Thema der Blogoszene”

  1. Oliver Herold Says:

    >3. Eva-Herman-Fall ist der erste öffentliche Skandal, der mehr und genauer in der Blogoszene besprochen wurde als in den “alten” Medien.

    Nein Schäuble, aber copy’n paste ist nicht wirklich besser als der Rest der Medien, denn dort ist diese Handlungsweise auch usus und sorgt für vielerlei Enten.

    >1. Die besten Texte kommen nicht von den Zeitungsprofis, sondern von bloggernden Journalisten.

    Nein weder noch, sondern von ganz normalen Leuten.

    >4. Die meiste Zahl der Lesungen bekommen Beiträge mit einem marktschreierischen Titel, dann rollt die Lawine von alleine. Im Dashboard vom WordPress kann man das, glaube ich, sehr klar sehen.

    Logisch. Beim Rest langen dann solche Titel „Eva Herman bei Kerner als Thema der Blogoszene“, da die Vorarbeit in puncto Aufmerksamkeit schon von den Marktschreiern getätigt wurde :D

    So bekommt jeder in der Blogszene also ein Stück vom Kuchen ab.

  2. peetgp Says:

    *g*
    Abgesehen von der Ironie und Selbstironie, Schnelllesen und Folgen, bleibt meine, wenn man’s will, rhetorische Frage: Wie lassen sich die guten Texte von „ganz normalen“ Menschen finden?

  3. Wow! Danke für die gelungene Zusammenfassung.

  4. […] Update: Ein umfassendes Bild darüber, wie die Bloggosphäre mit der Causa Herman/Kerner umgeht, liefert folgender Artikel im Blog “Sendungsbewusstsein”. […]

  5. Hi! Schöne Zusammenfassung. Allerdings bin ich nicht sehr angetan, in einem Atemzug mit „Rechten und erzkonservativen Autoren und Lesern, die immer aktiver werden und nicht nur in Foren, sondern sich zunehmend mehr in eigenen und fremden Blogs sich verbreiten.“ genannt zu werden, während der nächste Blog ohne Namen verlinkt ist. Ich würde mich freuen wenn die Passage umgeändert wird, da ich nun rein gar nicht rechts und erzkonservativ bin. Das fasse ich als Beleidigung auf. ;)

  6. […] unter dem Decknamen “Affäre Eva H.” abgewickelt. Ziel der Untersuchung: Liegt der deutsche Michel schon im Vollkoma? Oder regt sich noch ein […]

  7. Heinrich Says:

    Mal vom Kerner & Co abgesehen, bin ich ehrlich gespannt, wie das Gericht die Kündigung von Eva H. durch den NDR entscheidet. Alleine wegen dem schwebenden Verfahren, hätte Kerner wissen müssen, das Frau H. sich nicht weiter zur Buchpressekonferenz äußern wird, also war das Thema in seiner Sendung völlig überflüssig!

  8. peetgp Says:

    @ Daniel
    Ich habe den Text etwas präzisiert, damit es dir anhand wenigstens eines Beispiels klar ist, was ich meine. Viel mehr wiegt aber in meinen Augen, dass du eben erzkonservative rechte Kommentare unkommentiert stehen lässt. Das ist dein Recht. Erlaube mir darüber meine Meinung zu äußern.

  9. peetgp Says:

    @ Heinrich

    Bitte keine freischwebende Kommentare, die in vielen Blogs zeitgleich gepostet werden!

  10. Stripe Says:

    Nein, wenn Du mich fragst, stimmt weder alles noch hast Du Recht.

    Gerade die Kommentare bei Daniel P. Schuster und insbesondere die von Dir erwähnten von condorare fand ich recht treffend. Aus dem von Dir gewählten Zitat (in dem Daniel ja bloß ironisch auf die Methoden in der JBK-Sendung anspielt), kann
    ich auch beim besten Willen nicht entnehmen, wieso Du das in die Kategorie I.1. einsortierst. Solange Du nur wertest und abwertest, aber nicht konkret belegst, sind Deine Psychogramme der Autorenschaft für mich zum Teil nicht nachvollziehbar.

    Natürlich mag jeder je nach seiner persönlichen Weltsicht 30 bis 40% der Bevölkerung als erzkonservative Neue Rechte oder als linksradikale selbsternannte Gutmenschen-Antifa einstufen. Aber genau dieses grobe Schwarz-Weiß-Schubladendenken führt doch dazu, dass bei Diskussionen nicht mehr auf die Argumente eingegangen sondern beim Auftreten gewisser Schlüsselwörter oder -sätze einfach das Hirn abgeschaltet wird, weil der Andere sich ja angeblich sowieso als Ewiggestriger bzw. linker Utopist enttarnt hat, mit dem jede weitere Diskussion sinnlos ist.

    PS: Ich habe ein ähnliches Verhalten der anderen Beteiligten der Talkshow wie gegenüber Eva Herman übrigens (in weitaus schwächerer Form) schon beim Besuch von Gabriele Pauli bei Beckmann vor 2 Wochen festgestellt, als sie (ob ihrer „linken“ Idee mit der 7-Jahres-Ehe) auch etwas vereinsamt der Häme von Seehofer, Illner und Beckmann ausgesetzt war. Und ihr wurde ja schonmal der Gang zum Psychiater empfohlen, so wie jetzt auch Eva Herman z.T. als dumme Blondine abqualifiziert wird.

    Auch damals bei Frau Pauli habe ich mich darüber geärgert.
    Hat also nichts mit irgendeinem „Erzkonservativismus“ zu tun, wenn ich hier
    (bzgl. der JBK-Sendung, nicht bzgl. Hermans familienpolitischer Vorstellunge
    n) pro Herman-Unterstützer schreibe. Die Welt ist komplizierter…

  11. theolounge Says:

    gut geschrieben und gut zusammengefasst !

  12. andreschneider Says:

    Wow! Was für ein Beitrag! *schwitz*

  13. […] Positionierung oder Fragen der Medienethik. Einen guten Überblick über die Geschehnisse lesen Sie hier. […]

  14. Oliver Herold Says:

    @peetgb

    >Wie lassen sich die guten Texte von “ganz normalen” Menschen finden?

    Indem man seine Bandbreite erhöht, sprich eine Wissensbasis schaft aus vielfältigen Quellen und somit die Spreu vom Weizen trennen kann. Das Gros macht es sich jedoch recht einfach, pickt einen Blog heraus, der ihrer Meinung entspricht und hängt diesem fortwährend an den Lippen. Und da kann einfach nichts bei rum kommen.

  15. peetgp Says:

    @ Oliver
    Du hast Recht, genau das ist auch mein Anliegen. In der Praxis heißt es, aktuelle Suchmaschinen füttern mich als Leser und als Autor unausgeglichen gemäß diesem Vorhaben. Die Folge: Wie sortiere ich das brauchbare Material aus inzwischen 770 Postings zum Thema? Momentan nur de visu. Vielleicht mache ich daraus noch einen Text.

    @ Stripe
    Du, condorare, Daniel und andere, die mit meiner „selektiven“ Wahrnehmung unzufrieden sind, dürfen gerne dagegen argumentieren. Wenn dabei Positionen etwas klarer dargestellt werden, kann die Leserschaft nur gewinnen. Pro et contra verteilen sich in der Tat komplizierter als nur schwarz-weiß!

  16. Hi!
    Nun, ich muss gestehen: Auch ich finde den Kommentar von dem User nicht rechts, sonst hätte ich ihn sicherlich gelöscht. Meine Beiträge sind satirisch zu sehen. Sie sind überspitzt formuliert und sollen auf ironische Weise erläutern, was auf der Welt passiert. Ich habe noch einen zweiten Beitrag zum Thema Eva Herman geschrieben, damit man meine politische Stellung auch verstehen kann, wenn man meine satirischen Spitzen nicht als solche wahrnimmt. Ich stelle mich ungern in eine politische Ecke, da ich sehr gerne über beide Seiten kritisch berichte. Stark rechts oder Erzkonservativ bin ich aber definitv nicht. Ich glaube, man kann das den Blogeinträgen oder meiner gesamten Seite meiner Ansicht nach auch gut entnehmen. Der Blogeintrag hat keine politische Aussage – er spiegelt das Tun und Machen der Medienlandschaft wieder. Mehr nicht. Und hier ist das gleiche Phänomen wie bei Eva Herman: Man muss den ganzen Beitrag lesen um diese eine Stelle auch als satirische Spitze zu verstehen. Übrigens: Mein Beitrag hat genau die Aussage, die auch auf deinen Kommentar bezieht: Man dreht Eva Herman die Worte im Mund um, um sie in die Rechte Ecke zu stellen, ohne den Rest wahrzunehmen. Voila!

  17. […] hingegen bringt ein Paradebeispiel dessen, was ich versucht habe in meinem Beitrag klarzumachen. Er zitiert mich und stellt mich mit einem Ausschnitt meines Textes in die “rechte und erzkonservative” […]

  18. stylebitch Says:

    Was für eine Fleißarbeit. Kannst Du gleich als Magister-Arbeit in Journalistik einreichen! Da will ich auch dabei sein *klopftsichselbstaufdieschulter*: http://stylebitch.wordpress.com/2007/10/11/evas-brauen-oder-i-heart-fjw/
    Ich schau wieder rein, ganz klar!

  19. […] Leuten, die unseren Blog sonst gar nicht lesen. Dazu gibts ja an anderer Stelle in der Blogszene mehr als genug Gelegenheit (… hier […]

  20. […] Sendungsbewusstsein Kritische Auseinandersetzung mit den Medien « Eva Herman bei Kerner als Thema der Blogoszene […]

  21. feet Says:

    Die Terminologie der NS-Diktatur ist mir nicht so recht geläufig, weil zu dieser Zeit noch meine Atome irgendwo in der Luft herumgegeistert waren. Aber dass der Terminus “gleichgeschaltete Presse” häufig zur Zeit des kalten Krieges im Hinblick auf die Ostblock-Berichterstattung gebraucht worden ist, ist mir noch irgendwie in Erinnerung, oder täusche ich mich da? Man kann, wie der Autor dieses Artikels dem Publikum durchaus eine Mitleids-Haltung unterstellen, wenn man auf hohem Ross sitzend davon ausgeht, dass das Gros der Fernsehzuschauer nicht über die
    intellektuellen Fähigkeiten verfügt, zu erfassen, was mit einem Menschen passiert, der versucht, eine von der Mehrheit abweichende Meinung zu vertreten.
    Dass auf schäbige Weise versucht wurde, einem Menschen aufgrund seiner Wortwahl eine braune Gesinnung anzuhängen und damit die Sache, für die er eintritt ad Absurdum zu führen, war in diesem Zusammenhang für mich eher sekundär. Das Unglaubliche war die Demonstration der Gleichschaltung(!) der Medien, die jeden stigmatisiert, der nicht deren Meinung vertritt. Was viele in diesem Lande schon lange ahnen, wurde ihnen nun hier erstmals und öffentlich vorgeführt. Unsere GG sind nur ein Haufen bedrucktes Papier, der allenfalls dazu taugt, seine täglichen Aussscheidungen damit zu entsorgen.
    So tumbe Geister, wie Kerner, Schreinemakers mit ihrer dümmlichen Eifersucht, Berger, oder der Leerläufer Barth sind die nützlichen Erfüllungsgehilfen der wahren Anarchisten in unserer Schein-Demokratie

  22. Was ist bloss mit der Libertären Szene los?

    Nachdem Herr Lichtschlag schon seit längerem meint, er müsse sein Magazin auf „JF light“ trimmen…

    Fällt schon auf:

    [sebew.wordpress.com]

  23. […] Ein weniger sympathisches Beispiel dieses Irrtums findet man im „Fall Eva Herman“, in welchem die Masse der Blogo-Bürger mit der Inbrunst der Verblendung die „Freiheit“ von Frau Herman gegen vermeintlich faschistoide Angriffe verteidigte – und dabei durchaus eine gewisse Dominanz in Kommentar-Spalten verschiedener Homepages erlangen konnte. Diese virtuelle Entrüstung konnte jedoch an der faktischen Sanktionierung Eva Hermans nichts verändern.
    […]

  24. Splitter Says:

    Hat sie oder hat sie nicht?

    […] „Sendungsbewusstsein“ mit dem fachlich kompetenten Übersichtsaufsatz „Eva Herman bei Kerner als Thema der Blogoszene“. Gut recherchiert gibt der Aufsatz einen Überblick über die Kommentare nach der Sendung.

  25. […] Noch einmal: Was an den hohen philosophischen Materien stört, ist hier offensichtlich der elitäre Ton, der nicht Eingeweihte auszuschließen droht. Es gibt aber auch eine egalitäre Tendenz: Immer mehr Menschen bekommen den Zugang zu immer mehr Information. Sie verarbeiten diese Information aber nicht komplex, sondern spezialisert, je nach dem eigenen Horizont. Das muss man so hinnehmen, auch wenn’s nicht gefällt – mir gefällt das auch nicht! – Vgl. meine Bemerkungen zur Unübersichtlichkeit des Meinungsspektrums bei der Bewertung einer typischen Diskussion im Internet (Link). […]


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