Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Am dritten Tage nach dem Eva-Herman-Fall Sonntag, 14. Oktober 2007

Filed under: Blogging,Eva Herman — peet @ 20:36 Uhr
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Inzwischen sind es mehr als 770 Blogeintragungen, die sich alle um den medialen Skandal „Eva Herman“ drehen und stark divergierend voneinander im heftigen Streit miteinander liegen. Es ist schier unmöglich, sie alle zu lesen. Keine Suchmaschine hilft, sie zu filtern, denn es geht nicht mehr um Stichworte, sondern um die Qualität der Texte, Originalität des Blicks, die Schärfe der Argumente, die Beachtung dessen, was von anderen geschrieben wurde.

Ich nehme experimentellerweise die je ersten 20 Treffer bei den wichtigsten Suchmaschinen (spezialisiert auf dem Gebiet deutschsprachiger Blogs) und betrachte sie etwas aufmerksamer, ohne alle gleichberechtigt zu behandeln. Das kann etwas länger werden, bitte um Geduld. Ein paar Kekse vielleicht? :-)

I. Clusty:

Die absolute Mehrheit der bloggenden Bürger dieses unseres Landes verteidigt das zu unrecht leidende Opfer der Politik, der Medien etc. Töne und Färbung unterscheiden sich nur minimal. Besonders krass sind folgende Beiträge – auf der evangelischen Seite idea.de (Link):

Kerner behandelte Herman wie bei der Inquisition. […] Doch Herman blieb standhaft. […] Ein Geschichtsprofessor hatte sich nicht entblödet, Herman mit Belehrungen über das Dritte Reich zu konfrontieren, die jeder Sechstklässler kennt, und bekanntzugeben, dass er die Frage „Hat Eva Herman recht?“ an seiner Universität als Prüfungsfrage eingeführt habe. […] Broder nannte die Sendung „die längste Antifa-Sitzung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen“. […] Politisch korrekte Meinungsführer in Medien und Politik schließen auf beängstigende Weise die Reihen. Deutschland rückt ein Stück näher an das heran, was Martin Walser die „gestoppte Demokratie“ nannte.

Eine Reaktion darauf kommt noch später – bei der Technorati-Linksauswertung.
Eine empörte „Flashlink30“ verkündet in ihrem Blog (Link):

Wir lassen uns nicht verarschen. […] Mich erfreut es aber tierisch, wenn ich landauf, landab in jedem Forum und in hunderten von Kommentaren die Volksmeinung lese. Es herrscht Einhelligkeit in der Verurteilung der beschämenden Hexenjagd. […] eins steht fest: Dieses Blog unterstützt Eva Herman. Jetzt erst recht.

Um Ausgeglichenheit bemüht sich Sebastian in dem Blog „Aufschrei“ (Link). Er liefert die beste Analyse des Spruchs über die Autobahn und kommt zum Schluss:

Es ist erschreckend, wie groß die Distanz zwischen diesen beiden Sphären geworden ist. Sie zeigt sich, wenn Journalisten die Show nun als eine »Sternstunde des Fernsehens« bezeichnen und triumphieren, Herman habe eine Niederlage eingesteckt und sich unmöglich gemacht. Weit gefehlt. Da, wo Antifaschismus nicht gegenstandslos wäre, sondern dringend nötig, ist sie beliebter und stärker denn je. Und selbst wenn sie bald von der Bildfläche verschwinden sollte, was ich für unwahrscheinlich halte – der Nerv, den sie getroffen hat, wird nicht so schnell wieder verstummen. Und dem ist es auch relativ egal, was sie nun eigentlich gemeint hat.

Im „Bildblog“ wird mit großem Staunen festgestellt, dass die große MeinungsBILDnerin baff ist und auf der Spur der Schadensbegrenzung wandert. Dabei wird ein sprachlich lehrreiches Fragment aus dem Interview mit dem inzwischen berühmtesten Geschichtsprofessor Deutschlands zitiert (Link).

Ich wundere mich meinerseits über diesen Proporz – die zwei zuletzt verlinkten Beiträge sind eine (rühmliche) Ausnahme. Und doch ist dieses Verhältnis glaubwürdig.

II. Icerocket

Hier sieht es alles noch schlimmer aus. G. Arentzen postuliert (Link):

Wie steht es nun mit den Aussagen von Eva Herman, man könne nicht über den Verlauf unserer Geschichte sprechen, ohne in Gefahr zu geraten?
Nun, das ist natürlich falsch. Man kann sehr wohl über das Dritte Reich sprechen. Man kann sagen, dass das alles Scheiße war, Hitler ein Arschloch, die Nazis verrückt – nichts passiert. Man kann sagen, dass er die Autobahnen nur für den Krieg bauen ließ, all die Nachteile aufzählen, die Judenvernichtung und den Krieg – nichts passiert.
Problematisch wird es erst, wenn man über diese Zeit spricht, ohne deutliche Abscheu zu zeigen oder wenn man Begrifflichkeiten benutzt, die auch von den Nazis benutzt wurden. Dann haftet einem schnell der Geruch des Braunen an. Man hat schließlich alles zu verdammen, denn alles kann irgendwie negativ behaftet sein. […] Es gibt keine sachliche Debatte über diese Zeit, keine emotionslose Bestandsaufnahme, kein “vielleicht gab es durchaus gute Ansätze, die dann ins Schreckliche abwichen”. […] Geht jemand hin und sagt, dass etwas gut war in dieser Zeit, ist er ohnehin ein Nazi und somit der öffentlichen Verdammnis anheim gefallen. Würde Dante seine Göttliche Komödie heute schreiben, der erste Ring der Hölle wären die Medien, der zweite der Boulevardjournalismus. […] Ob Eva Herman nun nationalsozialistisch denkt oder nicht, maße ich mir nicht an zu entscheiden. In gewisser Weise kann man aber sicher von einer “gleichgeschalteten Presse” sprechen.

Als Beispiel einer neutral angelegten Beschreibung verlinke ich hier den Text aus dem Blog „Moglispears“ (Link). Nur eine nichtige Posse sieht ein „Antón“ in der Sendung (Link). Am Ende eines langweiligen Textes erkennt „woonde“ plötzlich (Link):

Allerdings ist natürlich eine pseudowisschenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen höchst wissenschaftlichen Theman provokant und gewagt – von mir und von Frau Herman.

„Dennis“ weiß alles bestens und spricht sich wortgewaltig aus (Link):

Frau Hermann ist kein Nazi und sie hat auch nicht die Absicht einer zu werden. Eine Formulierungsschwäche zu haben und ein Buch zu veröffentlichen mag zu kritisieren sein. Eine Fernsehkollegin einzuladen und sie aus meiner Sicht öffentlich zu fünft gewaltsam zu diskreditieren, ist für mich zu verachten. Kerner hat so im deutschen Fernsehen für mich nichts mehr zu suchen. Und die anderen Quotenhuren kann er gleich mitnehmen.

„SyranodeBonn“ formuliert noch böser und ist (Link)

geneigt, von einer gewissen Gleichschaltung der Presse zu sprechen. Bis auf einen hervorragenden Artikel in der „Süddeutschen“ über Johannes B. Kerners Volksgerichtshof, später umgeändert in Laiengericht, wird die übliche Routine abgespult, wenn man jemanden in die rechte Ecke stellen will.

Noch einen Schritt weiter. Da sind wir schon bei den ganz schlimmen Beispielen. Normalerweise ignoriere ich diese „konservative“ Ecke. Bei dem Thema sind sie aber so stark im augenblicklichen Aufwind, dass es unvermeidlich ist, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Der im vorigen Posting von mir schon erwähnte André F. Lichtschlag schwingt mit seiner Tastatur und – o-ho-ho – dabei kommt viel Euphorie raus (Link):

Warum sind sich alle einig darin, dass man öffentlich mit niemanden auch nur diskutieren darf, der etwa sagt: „Aber der Bau der Autobahnen damals war gut.“ Oder: „Die Olympischen Spiele von 1936 waren ein Erfolg.“ Das größte Tabu ist der Satz, dem insgeheim 95 Prozent der Menschen zustimmen, den aber nun wirklich keiner offen sagen darf: „Das meiste war schlimm, aber es war nicht alles schlecht!“

Natürlich war nicht alles schlecht. […] Deutschland schreitet mit großen und schnellen Schritten voran auf dem Weg in einen totalitären Staat, der ideologisch mit Ökowahn, Radikalfeminismus und „Antifaschismus“ luftdicht abgesichert wird. Früher nannte man das Nationalismus und Sozialismus.

Die rechtsradikale Zentrale „Störtebecker.net“ jubelt (Link):

Man darf in Deutschland keinen individuellen Standpunkt zu gewissen prägenden historischen Geschehnissen vertreten – nicht einmal zu kleinen Details jener Epoche, ohne sofort an den Pranger gestellt zu werden. Das bleibt haften, und zwar in einer Art und Weise, wie es hunderte von Demonstrationen des Nationalen Widerstands bislang nicht zu vermitteln vermochten.

Die NPD, DVU und die Nachfolge der Schillpartei sind offensichtlich brennend interessiert. Im letzten Fall ausdrücklich:

Aus der Hamburger Zentrumspartei, der bislang keinerlei Bedeutung beigemessen wird, könnte in diesem Fall ganz schell die „Herman-Partei“ werden. Denn neben Nockemann gibt es mal abgesehen vom christlichen Hardliner Udo Ulfkotte, ansonsten lediglich namenlose Windgestalten. Kein Wunder, dass man so erpicht darauf ist, Eva Herman für sich zu gewinnen.

Am Ende fällt ein noch besseres Wort:

Wenn es hier keine Absprachen gegeben hat, dann war nicht Herman naiv, sondern Kerner, der aus politisch-korrekten Gründen die Dissidentin wieder zu neuem Ruhm verholfen hat.

Ziemlich einsam steht dazwischen mein eigener Überblick der ersten Blogreaktionen da(Link). Andere „normale“ Texte sind unter den ersten 20 nicht zu sehen.

III. google

Google zählt schon ca. 1140 Beiträge zum Thema auf. Überschneidungen zu clusty und icerocket sind zahlreich: mindestens vier Beiträge sind dieselben. Von zwanzig – ist es gut oder mangelhaft?

Hartmut Hannaske sieht in den Medien den wahren Übeltäter, so wie sie mit „Frau Herman“ umgehen (Link), die

als einzige in ruhiger und sachlicher Art ihre Intelligenz unter Beweis stellend den Nachweis erbracht hat.

Seine Folgerung ist noch globaler:

Das Medien bei Wahlen und politischen Entscheidungen ein entscheidendes Wort mitreden ist eine Binsenweisheit. Problematisch wird es nur dann, wenn alle “Experten” in den großen Medien einer Mainstreammeinung hinterherlaufen und überall der Mut oder der Verstand fehlt, sich dieser entgegenzustellen und den Mainstream zu verändern. Das ist auch der wahre Grund für das peinliche Ausmaß von Antiisraelismus und Antiamerikanismus in Deutschland.

Ein „Vergißmeinnicht“ („Frau im Zielgruppen-Alter von Eva Hermans Büchern“) ist eher neutral in ihrer Bewertung, fragt dann aber – in der schönen Vogel-Strauss-Art – nach dem Sinn der Sendung (Link):

musste das ZDF die Sendung dann wirklich ausstrahlen? Haben sie nicht diesen Eklat zu eigenem Nutzen verwendet? Hätten sie nicht einfach auf diese Sendung verzichten können? Dann könnte sich Deutschland jetzt wichtigen Themen widmen und rechts gerichtete Vereinigungen hätten kein neues Futter mit dem sie demonstrieren können. Damit hätte man der Sache und dem Fernsehzuschauer wirklich einen Gefallen getan.

Im (nach der begeisterten Meinung „Muslimmarktes“ „äußerst Israelkritischen und insbesondere NeoCons-kritischen“) „Politblog“ wird von „pony_huetchen“ über „Schauprozess“, „Rufmord“ gesprochen und irgendwann die letzte Wahrheit präsentiert:

Die Ursachen, und da sitzt die unerwünschte Sprengkraft des Herman’schen Ansatzes, liegt in der Arbeitswelt der neoliberalen Wirtschaft. Was, wenn die Menschen feststellen, dass in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Handwerker – zwar bescheiden, aber dennoch ausreichend – eine Familie ernähren konnte. […] Sie verharrt mit ihrer Kritik bei dem Phänomen, erkennt nicht die wahren gesellschaftspolitischen Implikationen. Dann hätte sie eine glasklare Erklärung – und darin liegt die Brisanz! Ein Schritt – und Herman erkennt die wahren Zusammenhänge der von ihr sehr genau analysierten gesellschaftlichen Probleme.

In den zahlreichen Kommentaren wird diese Sicht mehrheitlich unterstützt. Eine einzige Iris Bleyer stellt sich dagegen:

Entschuldigt mal, aber die Art und Weise, wie das wirre Gequatsche, das E.H. von sich gab jetzt durch diesen Artikel von links vereinnahmt wird, kotzt mich echt an. Das finde ich fast noch widerlicher, als die Umarmung der blonden Mutterkreuzritterin aus den katholisch-konservativen und rechtsextremen Lagern.

Unter den unzähligen Verschwörungsspezialisten und antiisraelischen Kapitalismuskritikern glänzt einsam ein Kommentarbeitrag von Jens Berger:

Ich halte sie (wie mehrfach geschrieben) nicht für eine Vertreterin von Rechtsaußén-Positionen, dass sich ihr Familienbild mit dem der Rechtsaußen überschneidet, dafür kann sie erst einmal nichts. Man erinnere sich an die Debatte über gemeinsame Schnittpunkte in den Positionen Lafontaines mit der NPD. Was bei Frau Herman offen zu Tage tritt, ist ihr grundnaiver Umgang mit der deutschen Vergangenheit. Sie sagt es selbst, wenn sie ihren “historischen Ansatz” formuliert – „Ich habe mit meiner Großmutter, die sehr alt geworden ist, vor kurzer Zeit darüber diskutiert, und ich habe gesagt: Wie konnte das passieren, warum habt ihr nicht unternommen?“

Genau dies sind die Fragen, die die 68er ihren Eltern und Großeltern gestellt haben – aber zwischen der “Vergangenheitsbewältigung” der meisten Menschen, die sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen und Frau Herman liegen nicht nur 30 Jahre, sondern auch wissenschaftliche Welten. Wenn sie in dem umstrittenen Zitat beiläufig “den einen bösen Mann” erwähnt, so ist dies genau die Ausrede, die die 68er von ihren Eltern zu hören bekamen. “Ein paar böse Männer” und 80 Mio. Mitläufer. Zwischen den Zeilen verbirgt sich mehr, als man oberflächlich denken mag. Ihre dämliche Anspielung auf die “Autobahnen” ist genau in diesem Kontext zu sehen – dummnaives Geplapper, das im besten Sinne aus mangelnder Bildung, im schlimmeren Sinne als Krawall-PR für ihr Buch und im schlimmsten Sinne als Überzeugung zu verstehen ist. Letzteres schliesse ich aus. […]

Wenn Sie hysterisch faucht “WIR sterben aus” und bei Kerners Kontra “Naja – dann gibt es ein paar mehr Chinesen” angewidert mit den blauen Äuglein rollt, so ist dies für mich verabscheuenswert. Sorry, für die harten Worte. […]

Wer beim “Forum Deutscher Katholiken” – einer erz(!)konservativen Einrichtung für “seine Sache” Brandreden hält, hat (wenn er nicht mit diesen Kreisen sympathisiert) seinen persönlichen faustischen Pakt geschlossen. Und das es nach hinten losgeht, wenn man (für welche Sache auch immer) mit dem Teufel ins Bettchen steigt, lehrt uns die Geschichte in unzähligen Fällen.

Im Ulis’s Blog (Link) werden die vorhandenen Meinungen etwas anders sortiert als in diesem Blog (hier), berücksichtigt werden dabei nur Alphablogger – vielleicht fühlt sich da der eine oder der andere Leser besser aufgehoben. :-)

IV. Technorati

Hier werden ca. 750 Posts aufgezählt. Man kann bei Technorati nicht mehr nach Rankings sortieren, so dass man dem Verlauf nur chronologisch folgen kann. Auch bei diesem unvermeidlich simplen Vorgang entdecke ich hier einige höchst interessante Beiträge. So stellt sich Haso gegen die Position der idea.de-Seite (siehe oben) mit deutlichen Worten (Link):

Wir dürfen nicht vergessen, dass konservative Christen zu denen gehörten, die im Dritten Reich verführbar waren. Die Nazis verstanden es, Begriffe in den Raum zu werfen, die auch zum christlichen Vokabular gehörten, und sie verbanden diese Begriffe mit einer Intonation, die ähnliche emotionale Sentimente ansprach wie eine pathetische Predigt. Viele schauten nicht mehr näher hin, ob sich hinter Sprache und Tonfall nicht ganz andere Motive verbargen, die eine Allianz unmöglich gemacht hätten.

Und so spüre ich die Möglichkeit, dass konservative Christen auch heute verführbar sein können, wenn nur passende Partner sich anbieten, die mit den richtigen Schlagworten aufwarten und die richtigen Saiten erklingen lassen. Aufgrund solcher Zusammenhänge ist es nötig, “jeden Vergleich mit dem Dritten Reich” zwar nicht “unter Strafe zu stellen”, aber zu meiden wie der Teufel das Weihwasser. Es geht nicht an, aufgrund der Besorgnis um “unsere”, “christliche” oder “biblische” Werte auch nur in die geringste Nähe zu Leuten zu kommen, die auf der Klaviatur solcher Werte eine ganz andere Sonate spielen.

Ein Teil des Problems liegt übrigens darin, dass viele Christen mit Rückzugsgefechten auf gesellschaftliche Entwicklungen reagiert haben, bis sie mit dem Rücken an der Wand standen, anstatt die Chancen und Möglichkeiten gesellschaftlicher Entwicklungen zu entdecken und aufzugreifen. Wer mit dem Rücken an der Wand steht, hat sich immer selbst dorthin gestellt.

Diese Position kann man gewiß kritisieren, es ist aber noch eine Stimme in diesem Chor, die ich so bis jetzt nicht wahrgenommen habe.

Ganz anders geht es auch: Im Blog „Gedankendeponie“ (Link) wird eine Diskussion über die Familie geführt, streng im Rahmen der Vorgaben, die Eva Herman predigt. Der Autor und seine Kommentatoren distanzieren sich munter und bisweilen in großer Sorge von Phantomen und Popanzen und erzählen dabei viel aus dem Familienalltag.

Der Rest entspricht dem, was wir bei clusti und Icerocket vorgefunden haben.

V. Rivva

Hier sind nur und ausschließlich Alphablogger im Angebot. All diese Artikel wurden von mir schon im vorigen Posting berücksichtigt.

Fazit: Clusti sortiert am besten. Google bringt die meisten Quellen. Icerocket zeigt mehr Details. Technorati ist zuverlässiger im Ranking-Hinweis. Wenn wir mit dem Blick auf eine Uhr feststellen, dass die Auswertung der Texte Stunden dauert und dass die Suchmaschinen nur bedingt helfen, bleibt die Frage im Raum stehen:

Wie kann ein unvoreingenommener Leser a) das gesamte Spektrum der Meinungen abtasten? b) seine eigene Meinung vorfinden, von einem anderen vorformuliert, besser als er selbst es kann? c) eine Diskussionsplattform finden, wo seinesgleichen im regen Austausch tummeln?

Die deutsche Blogszene erweitert sich schneller als die traditionellen Medien, Leserbriefredaktionen und auch Alphablogger es sich vorstellen. Was für ein Chaos! :-)

Ich postuliere:
1. Keine einzige Suchmaschine bietet zur Zeit den ausreichenden Überblick im Meinungsfeld der Blogoszene.
2. Der individuelle Prinzip herrscht – jeder vertritt sich selbst, seine Meinung, sorgt sich um sein Ranking etc.
3. Die meisten Autoren lesen nur Kommentare im eigenen Blog und weiterführende Links darin.
4. Die meisten Leser folgen den Rankingtabellen ihrer Blogplattform.
5. Die meisten Vereinigungen bzw. Blognetzwerke halten nicht das, was sie versprechen, und unterliegen dem menschlichen Bedürfnis, mehr Lesungen (Aufmerksamkeit etc.) zu erreichen.

Gerade bekomme ich eine wenig erbetene wöchentliche Portion der stressfreien und spirituellen Selbstfindung und Jobzufriedenheit (brrr :-). Darunter eine Perle (im Enkelmann-Original selbstverständlich ernst gemeint *g*):

Alles wird gut. Alles wird immer besser und besser.

Oder mit anderen Worten (Dominik Hennig hat absolut Recht):

In diesem Lande sind einmal wieder sämtliche Schränke tassenfrei.

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9 Responses to “Am dritten Tage nach dem Eva-Herman-Fall”

  1. Heinrich Says:

    Schöne und gute Zusammenfassung. Gute Arbeit!!!

  2. MuGo Says:

    Naja, so irritierend finde ich die fünf Postulate jetzt nicht; schließlich ist davon auszugehen, dass die meisten Blogger so wie ich mehr aus Neugier und Sendungsbewusstsein an ihren Blog gekommen sind. Das dabei eine intensive und mehr als oberflächliche Beschäftigung mit Meinungen anderer Blogger außerhalb des eigenen befreundeten netzwerks ausbleibt ist doch klar! Oder anders ausgedrückt: Ich hätte gar nicht die Zeit, mehr als die paar Blogs in meinem Feedreader zu lesen. Allerdings finde ich das auch nicht schlimm: Ich betreibe einen – bestenfalls – C-Blog und freue mich diebisch über jeden Leser; mehr wäre zwar schön, aber einfach nicht realistisch!

  3. Hannaske Says:

    Wenn Du mich schon zitierst, dann lass nicht in einem kurzen Satz, den entscheidenden kurzen Nebensatz weg. Genau das gleiche hat man schließlich mit Eva Herman gemacht.

    Und vergiß nicht die wesentliche Erkenntnis zu zitieren:

    „Und die ZDF-Online-Kommentare zum Eklat und die anderer großer deutschen Medien erinnern an demagogische Höchstleistungen aus einer Zeit, „in der die Autobahnen gebaut wurden, auf denen wir heute fahren“. Wie geistig einfach strukturiert oder böswillig muss man eigentlich sein, um diese völlig richtige Feststellung von Eva Herrmann wieder genauso misszuverstehen wie das Zitat von ihr, um das es bei ihrer Kündigung und in der Sendung ging….

    Das Schlimmste an diesem Skandal ist, dass die großen deutschen Medien, die sich im Fall Eva Herrmann verlogen als moralische Instanz gegen Rechts aufspielen durch ihr „gleichgeschaltetes“ unfaires und gehässiges Verhalten zur Diskreditierung einer missliebigen familienpolitischen Anschauung den rechten und rechtsradikalen Demokratiefeinden in die Hände spielen und damit demokratiegefährdend agieren.“

    Übrigens die deutschen Medien, die jetzt demagogisch gegen Herman agieren, haben jahrzehntelang mittels schwachsinniger antiisraelischer Berichterstattung den Rechtsextremen in die Hände gearbeitet und besonders dort Antisemitismus geschürt, ohne dass sich irgendwer daran gestört hat. Das ist ein wirklicher Skandal, von den man angesichts des weltweiten Hamas-analogen Terrorismus heute in den Redaktionsstuben natürlich nichts mehr wissen will. Medien ohne Verstand und Charakter.

  4. tageblog Says:

    Eine wirklich bemerkenswerte Fleißarbeit, vielen Dank für die Zusammenstellung, so macht eine Blogreise zum Thema Spaß ;-)

  5. angeber.in Says:

    Zu diesem ganzen Eva Herman-Kram, der die verschiedensten Gemüter derzeit in Bewegung hält, hat Thomas Tuma die, in der Tat, für mich wirklich einzigst wiederverwertbare Meinung in Worte gefasst, die ich bislang gelesen habe.

    Und zwar im aktuellen Spiegel. Auf Seite 51.

  6. Eva Herman ist ungeschickt oder stur oder beratungsresistent oder borniert – ganz bestimmt. Aber: Sie verharmlost die Familienpolitik der Nazis nicht – wenigstens nicht in Kerners Sendung. Ich habe die Wortlautprotokolle gelesen und deshalb: Freispruch für Eva Herman

    Selber lesen ist wichtig!

  7. Dennis Says:

    Danke für den Link und die Fleißarbeit. Toller Artikel. Nur spiegelt sich in meinem Zitat nicht der Wunsch etwas „besser zu wissen“. Es ist meine Meinung. Und Meinungen können bekanntlich weder „richtig“ noch „besser“ sein.

  8. Gunda Schuster Says:

    André Lichtschlag ist ein Nazi, der früher mal liberal war.

  9. […] anderen großen Geist unserer Tage, Eva Herman, vernommen zu haben: “Wir sterben aus” (Link). Meint denn Schirrmacher etwas anderes? Nicht weniger interessant ist es, dass […]


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