Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Christian Hacke ist beunruhigt Mittwoch, 31. Oktober 2007

Da ist ein Professor für amerikanische Politik, der längst schon festgestellt hat:

Amerika ist zum Problem geworden

Im selben ZDF-Interview sagte Christian Hacke auch klar, warum es dem so ist (Link):

Doch solange vor allem Israel nicht endlich einen Palästinenserstaat zulässt, der diesen Namen verdient, und solange die Regierung Bush nicht entscheidend mehr hierfür tut und Israel auf diesen Kurs drängt, bleibt die Weltlage gefährdeter denn je.

Neulich hat eben dieser Prof noch mehr Klartext gesprochen, nach der Lektüre eines neuen antisemitischen Buches. Es handelt sich um einen Wälzer aus der Feder unermüdlicher Kämpfer gegen die jüdische Weltverschwörung, jener inzwischen tatsächlich weltweit bekannt gewordenen amerikanischen Professoren Mearsheimer und Walt. Von allen bis dato mir zugänglichen Rezensenten hat Hacke das Buch am positivsten bewertet, und das u.a. auch in der „Zeit“. Sein Text war offensichtlich für die Zeitschrift „Internationale Politik“ geschrieben, wie auch Ausschweifungen von dem ebenso unermüdlichen Alfred Grosser. Mit einer berauschenden Geschwindigkeit wurde Hackes Lob verlinkt, auf der Seite des Campus-Verlags, der auf seine editorische Tätigkeit endlich stolz sein kann, auf den zahlreichen rechtsradikalen, islamistischen und einfach antisemitischen Seiten. Ich hoffe, sie alle freuen sich aufeinander.

Die weiteren Rezensionen müsste man auch mal unter die Lupe nehmen…

Und nun einige Beispiele der hohen Kunst eines Bonner Profs:

Ist dies Ausdruck von Antisemitismus oder notwendiger Tabubruch?

Sehr geschickt, finde ich. Besser als Möllemann auf jeden Fall. Dieses entweder-oder, dieses „notwendig“ – prächtig!

Beide Autoren stellen weder die Legitimität der israelischen Lobby noch Israels Existenzrecht, wohl aber das gängige Klischee von Israel als einem wertvollen und verlässlichen strategischen Partner infrage.

Auch hier – „das gängige Klischee“, die Verneinung der Prädikate „wertvoll“ und „verlässlich“ – mutig, nicht wahr?

Hacke ist mit Mearsheimer und Walt einverstanden, wenn diese schreiben:

»Die USA haben ein Terrorismusproblem, weil sie eng mit Israel verbündet sind, und nicht umgekehrt.«

Er legt sogar nach:

Und auch das Bild von Israel als einem schutzlosen David ist für Mearsheimer und Walt eine Chimäre, in Wirklichkeit sei Israel als einzige Nuklearmacht der militärische Goliath im Nahen Osten.

Der Liebling der deutschen Zeitungen Tony Judt darf hier nicht fehlen, aber da Hacke auf diesen offensichtlich neidisch ist, spricht er von ihm als „zum Beispiel vom bekannten liberal-kosmopolitischen Historiker Tony Judt“. „Kosmopolitisch“ – das ist ja spitzenmäßig!

Schon im nächsten Satz verplappert sich Hacke noch deutlicher:

die jüdische Lobby kann nicht für alle negativen Entwicklungen verantwortlich gemacht werden.

Da hat der Prof die Juden endlich erwischt! Dazu noch bei „einem innen- und außenpolitischen Phänomen, das beunruhigen muss“. Schwache Leistung bei Juden, großer Erfolg bei Hacke und der „Zeit“!

Man darf nicht unerwähnt lassen, dass Josef Joffe in dieser Zeitung das Buch verrissen hat (Link). Schön und gut. Daraufhin sollen auch Antisemiten ihre Freude haben, so in etwa?

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One Response to “Christian Hacke ist beunruhigt”

  1. […] Judt, nach der Auflistung bekannter Formeln des “liberal-kosmopolitischen” (nach den Worten von Christian Hacke) Historikers (Link): Does all this make Judt an anti-Semite? The answer is […]


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