Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Gabriele Krone-Schmalz hat „ferngesteuerte Querulanten“ entdeckt Samstag, 24. November 2007

Filed under: Medien,n-tv,Politik,Russland — peet @ 13:50 Uhr
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Im Lichte der Russland-Beiträge in diesem Blog scheint mir ein Interview mit Gabriele Krone-Schmalz bei n-tv brisant – eine richtige Selbstenthüllung (Link). Mit einer naiven Ironie sagt der Sender eigentlich die Wahrheit, ohne es zu wissen:

Gabriele Krone-Schmalz blickt anders auf Russland als viele Journalisten sonst.

Die Frage wäre in der Tat: Wessen Sprache bedient sie sich? Zum Beispiel, über Jelzin:

Jelzin hat sicherlich auch seine Verdienste, das will ich nicht bestreiten, aber es war allerhöchste Zeit, ihn abzulösen.

Er wurde nicht abgelöst, das hätten einige Institutionen gerne gehabt, genau die, die jetzt an der Macht sind. Genauso in vielen weiteren suggestiven Aussagen, die mit keinen Fakten belegt werden können:

Putin war nach Jelzin sicher das Beste, was Russland passieren konnte. Er hat den Menschen Zuversicht und Selbstvertrauen gegeben.

Welchen Menschen? Ich glaube, einer ganz bestimmten Gruppe von Menschen, die sich gerne als vox populi ausgibt. Mit den Befragungsresultaten würde ich vorsichtig umgehen.

Meines Erachtens ist die wichtigste Perspektive für Russland das Installieren rechtsstaatlicher Strukturen. Denn zuerst braucht man die politischen Instrumente, dann kann man auf ihnen spielen. […] Es reicht, wenn verlässliche, rechtstaatliche Regeln und Menschenrechte verankert sind.

Mit dem Spielen auf einer Flöte kannten sich schon einige falsche Freunde eines Prinzens aus. Genauso hier – nichts als mit der Rechtsstaatlichkeit spielen wollen die Machthaber Russlands. Weder Verlässlichkeit noch Menschenrechte sind in Sicht. Sind wir hier im russischen Staatsfernsehen?

Allerdings findet man in den Zeitungen die gesamte Bandbreite von Meinungen, inklusive scharfer Kritik an der Regierungspolitik. Und ausgerechnet der kritischste Radiosender „Echo Moskwy“ gehört Gasprom, dem entscheidenden Machtfaktor in Russland.

Ach, wie schön. Wie groß ist die Auflage dieser Ausgaben? Wieviele von ihnen wurden schikaniert und geschlossen? In wievielen Städten Russlands kann man den genannten Sender empfangen?

So geht es weiter und weiter. Das Interview gipfelt in der Offenbarung der Journalistin über „ferngesteuerte Querulanten“ in der politischen Opposition. Noch genauer kann man den Standpunkt des Machtapparates gegenüber Kritikern nicht wiedergeben. Glückwunsch! Es gibt allerdings noch einen weiteren Knüller:

Wie groß ist der Einfluss der Oligarchen auf seine [Putins] Politik?
 
Nach meinem Geschmack immer noch zu groß.

Wie schade, dass Krone-Schmalz hier keinen einzigen Namen nennt. Kann sie das? Ich glaube, das kann sie nicht. Es gibt nämlich keinen Einfluss der Oligarchen mehr, sie sind entmachtet und eingeschüchtert. An ihrer Stelle stehen andere Freunde  des Staates, die den Text bei n-tv bestimmt gut finden. Somit kann man nicht nur die brave Journalistin beglückwünschen, sondern auch den Sender. Darf man fragen, wie es zu dem Interview kam? :-)

 

7 Responses to “Gabriele Krone-Schmalz hat „ferngesteuerte Querulanten“ entdeckt”

  1. Aden, Horst Says:

    Die Sowjetunion, bzw. Russland kenne ich über 40 Jahre mit fast fünf Jahren Aufenthalt dort. Außerdem habe ich bekanntschaftliche Beziehungen dahin. Die Aussagen von Frau Gabriele Krone-Schmalz im Buch „Was passiert in Russland“ entsprechen voll meinen Erfahrungen. Für meine Äußerungen werde ich von niemandem bezahlt. Auch Frau Krone-Schmalz liefert keine Wunschmeinungen, sondern hält sich trotz aller Widrigkeiten, die sie dadurch hat, an die durchaus komlizierten Realitäten.
    Der Autor ist, wie mir scheint, entweder politisch extrem kurzsichtig oder kennt über Russland nur die in unseren Massenmedien verbreiteten tendenziellen Entstellungen und Schwindeleien. die dem Zusammenleben der Völkern unserer Länder nur schaden. Möglicherweise soll so, wie schon in der Vergangenheit die Bevölkerung auf einen Krieg um die in russischem Besitz befindlichen Rohstoffe vorbereitet werden, die man dank Putin und Co. über die Oligarchen nicht mehr so billig wie früher bekommt.
    Leider gilt in der Politik zu oft: „Wes‘ Brot ich ess, des Lied ich sing“. Mir ist beim Lesen der russischen Presse noch kein Artikel über Deutschland der deutschen MLer, Trotzkisten usw., die hier die gleiche Bedeutungslosigkeit wie Kasparov und Co. in Russland haben, in die Finger gekommen. Die Sachlichkeit der Artikel in verschiedenen Russischen Zeitungen könnten manchen unserer Medien zum Vorbild dienen.

  2. peetgp Says:

    Ich lasse diese Erwiderung gerne hier zu, damit sie verewigt wird. Ein sehr schönes Beispiel für die Demagogie und Blindheit mancher „Russlandexperten“! Ich sammle solche Texte gerne :-)

  3. […] der kriegerischen Auseinandersetzung wird von den wenigsten Journalisten erwähnt – die “Expertin” Gabriele Krone-Schmalz findet dafür kein einziges Wort (Link). Ach, was […]

  4. die informationen, die ich durch frau krone-schmalz über rußland u georgien bekommen habe, sind mir sehr wichtig. die zwar freie, aber nicht faire u objektive westliche presse gegenüber rußland ist beschämend für eine demokratie u hetzt zu 95 % nur auf gegen einen feind,der keiner mehr sein müßte. friedens fördernd ist dies nicht!

  5. peetgp Says:

    Lieber Michael Horbach, es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber wenn Sie Ihre Entscheidungen im Bezug auf Russland aufgrund der Berichterstattung von G.Krone-Schmalz treffen, dann sind sie grundsätzlich falsch. Insbesondere im Fall des russisch-georgischen Krieges. Sie gehört zu den russischen Lobbyisten, besser gesagt – Einflussagenten, genauso wie der ehemalige Bundeskanzler G.Schröder etc. Sie muss dafür nichts anderes tun, als zu ihren Überzeugungen stehen, das genügt. Sie macht das offen, sie darf das auch – nämlich gravierend einseitig sein. Vergessen wir nur nicht, das beim Namen zu nennen. Ich gratuliere also zur gewollten Blindheit!

  6. Walter Says:

    Immerhin hat Frau Krone Schmalz vor kurzem auf Veranlassung von Hr. Putin einen sehr renommierten Preis (die Puschkin Medaille) entgegen nehmen dürfen. Eine solche Ehre wird sicher (auch hierzulande nicht) einem dezidierten Kritiker des Landes zuteil
    Man könnte sagen, dass eine solche Ehrung Ansporn und Auszeichnung zugleich ist. Früher hielt ich Frau Krone Schmalz für eine neutrale Journalistin so kann man sich täuschen.

  7. George Says:

    Hallo,

    Betreffs Frau Gabriell Krone-Schmalz bin ich auch fest überzeugt, dass Sie eine (vielleicht sogar bezahlte) Einflussagentin Russlands ist. Insbesondere im Falle Russland-Georgiens – wo sie live und mehrfach behauptet Georgien habe „nicht die Bohne“ mit Südossetien zu tun – aber jeder von uns kann im Internet die Historischen Karten finden und 99% davon zeigen, dass seit 4. Jahrhundert VOR kristsus bis 1991 dieses Teritorium immer zu Iberien=Kartli=Kartl-Kachetien=Georgien gehörte.
    Also eine eindeutige Lüge – die professionelle Jurnalistin würde ja auch die historischen Hintergründe Recherchieren?

    Bitte an Alle – finden Sie die historischen Karten der Region und dann schicken Sie mir ihne Meinung an giotom_registration@yahoo.de.


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