Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Tagesschau in der Kritik Freitag, 28. Dezember 2007

Filed under: Blogging,Deutschland,Medien,Tagesschau,TV — peet @ 13:08 Uhr
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Eine Nachrichtensendung ist auch eine Institution. Die Redaktion bekommt irgendwann das Gefühl der eigenen Wichtigkeit und verteidigt sich gegen Kritik, indem sie auf Argumente verzichtet. Das geschieht jetzt mit dem Buch von Walter van Rossum. Wie die FR meldet, kommt die bissige Kritik beim Sender nicht gut an (Link). Es wird im internen Blog zurückgeschossen, der von den meisten Teilnehmern wie ein Fanclub verstanden wird. Ein Beispiel der korporativen Identitätsbildung vom feinsten.

Van Rossum:

Wenn man sich das ganz akribisch anschaut, muss man einfach feststellen, dass da wahnsinnig viel Unsinn versendet wird.

Im tagesschau-blog.de wird mehr von Kommentatoren als von Autoren dazu geschrieben (Link). Die einen bestätigen die Treffsicherheit van Rossums, so z.B. ein „Textkoch“ im Kommentar 36:

Im Politik-Studium haben wir uns schon vor über zehn Jahren der Tagesschau-Analyse gewidmet, mit nahezu den gleichen Ergebnissen: (zu) häufig (zu) wenig Hintergrund bei den einzelnen Themen (auch für eine Nachrichtensendung), die Zerstückelung von Zusammenhängen in Einzel-Meldungen, (zu) viel Raum für offizielle Parteivertreter und immer wieder die Projektion und letzlich Reduktion von Themen auf einen Parteienstreit und – das fehlte in diesem Feature – hohe Anteile an Unterhaltung: Zweiminütige Beiträge über Messeeröffnungen mit bunten Bildern, die Bundesliga oder Badebilder über den kurzen Sommer 20007 wie neulich in den Tagesthemen haben eher unterhaltenden als informativen Charakter und sie stehlen die Zeit, die Hintergundinfos brauchen.

Auch nicht im Mittelpunkt dieses Features: Wie häufig eigentlich die Bild- und Textinformation auseinanderklaffen oder besser: Die Information steckt im Text, nicht im Bild, letzteres hinterlässt aber den nachhalterigen Eindruck beim Zuschauer. Zugegeben ein Grundproblem des Fernsehens: Bebildere mal die Gesundheitsreform.

So ist ein Teil der Kritik auch nicht Tagesschau-spezifisch, sondern weist auf ein weiteres grundsätzlichen Problem von Journalismus hin: Der insgesamt enge Blick auf die ruckartigen Veränderungen der Welt. Nur ein Beispiel: Tankerkatastrophe, 100.000 Tonnen Öl fließen ins Meer. Das ist fraglos ein relevantes Thema, das aber jährlich sowieso mehrere 100.000 Tonnen Öl in unzählichen Kleinstmengen abgelassen werden, ist hingegen keine Meldung, für die Meeresverschmutzung indes problematischer.

Journalisten und insbesondere Fernsehjournalisten interessiert vor allem die plötzliche und – wegen der Bilder – möglichst sichtbare (Ölpest !) Veränderung, weniger die stetige oder schleichende, was insofern ein Zerrbild der Wirklichkeit ergibt, als das die langsame Veränderung der Normalfall ist, ob nun in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft oder Natur. Die plötzlich Veränderung markiert die Ausnahme, definiert so gesehen auch Nachricht. Aber das ist eben genau kein Abbild der Welt oder des Tages. Ein stetiges (sic) Bemühen immer wieder auch langsame Veränderungen zu thematisieren, wäre daher bereits ein großer Fortschritt.

Die anderen denunzieren ihn mit biographischen Hinweisen (so „Goldstein“ mit einem Link zum Artikel von Wolfgang Eßbach aus dem Jahr 1993).

Die dritten sind vollkommen damit zufrieden, dass der DF-Radiobeitrag van Rossums durch sie, Kommentatoren, besprochen wird. Und die vierten fragen munter weiter nach, wann kommt denn eine inhaltliche Antwort auf die Kritik? Das war der Stand Juli 2007.

Das Buch wird von der Redaktionsgarde weiter ignoriert.

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