Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Götz Aly rechnet weiter mit den 68er ab Montag, 28. Januar 2008

Filed under: Allgemein — peet @ 17:01 Uhr
Tags: , , , ,

Auch wenn es eine gut angelegte Werbung für das neue Buch von Götz Aly ist, das zuerst gelesen werden soll, um sich zu entscheiden, ob man diese Kampagne mitmacht, ist das schon der zweite Artikel vom ihm zum Thema ’68er und heute‘ (der erste war ein Interview). Diesmal – in der Berliner Zeitung und dem Inhalt nach – eine Sammelrezension. Unter anderem eine vernichtende Kritik des Buchs von Jutta Dithfurth über Ulrike Meinhof, viele Pointen und insgesamt lesenswert (Link). Am Ende:

Es hatte 30 Jahre gedauert, bis im Deutschen Bundestag das zentrale Problem der 15- bis 25-Jährigen von 1968 ausgesprochen werden konnte. Sie waren der Konfrontation um die NS-Verbrechen ihrer Eltern ausgewichen, suchten stattdessen die Völkermörder in Washington und skandierten in völliger Besinnungslosigkeit „USA-SA-SS“. Statt die familiäre Auseinandersetzung zu führen, stellten sie lieber das „System“ in Frage. Statt sich mit dem allgegenwärtigen familiären Spuren des Nationalsozialismus zu beschäftigen, erklärten sie die liberal-demokratische Bundesrepublik für „faschistisch“. Das aber wird in den Büchern zu 1968 allenfalls zufällig gestreift. Stattdessen dominiert das analytisch schwache, blumige und gelegentlich sündenstolze Erzählen über eine wilde Jugend.

Von Götz Aly erscheint im März: „Unser Kampf. 1968 – ein irritierter Blick zurück“

UPDATE: In der „Frankfurter Rundschau“ erschien noch ein großer Artikel von Götz Aly zum selben Thema (Link). Die „Bewegung“ von 68er wird ausführlich mit der von 33 verglichen, zum Teil brisant. Am Ende wird das letzte Wort Kiesinger überlassen:

Bundeskanzler Kiesinger durchschaute das Spiel sofort. Ohne Abitur, als kleiner Leute Kind hatte er es dank der Begabtenförderung der Weimarer Republik zum Volljuristen gebracht und war 1933 der NSDAP beigetreten, weil er, wie er sagte, „national und nationalistisch nicht genügend klar unterschieden“ hatte. Ihm erschien die moralisch verbrämte Überheblichkeit verdächtig, mit der sich die 68er-Studenten hauptsächlich für Konflikte engagierten, „die ihre Wurzel im Ausland haben“, gerade so als gäbe es in Deutschland nicht genug zu besprechen. Seiner Ansicht nach folgten sie der „merkwürdigen Illusion“, sie könnten so „aus der deutschen Geschichte fliehen“.

Dann konfrontierte er seine Berater mit der Frage: „Schwingt da nicht – gewissermaßen als Kehrseite – die Einstellung mit, ‚Am deutschen Wesen muss die Welt genesen‘?“ Da es still in der Runde blieb, antwortete er selbst: „Ich sehe darin eine schulmeisterliche, missionarische Umkehrung unseres früheren extremen Nationalismus.“ Die Kraft, so auch öffentlich zu reden, fand Kurt Georg Kiesinger nie.

 

3 Responses to “Götz Aly rechnet weiter mit den 68er ab”

  1. Bernhard Trautvetter Says:

    Das Übel, die Nazi-Keule anzustrengen („Unser Kampf“erinnert nicht zufällig an „Mein Kampf“) zeigt nichts anderes als die Schwäche der eignen Analyse. Und diese Schwäche dient durch die fatale Assoziation immer der Verharmlosung des Systems der Nazis, was nur ihren Jüngern nützt.

  2. […] references: Götz Aly rechnet weiter mit den 68er ab Wir 68iger – Zettels Rückblick […]


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s