Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Medienkritische Blogs als Gegenstand der Medienjournalismusforschung oder auch andersherum Sonntag, 21. Dezember 2008

Filed under: Blogging,Medien — peet @ 15:10 Uhr
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Uff. So ein Titel. Bei dem Posting. Na gut. „Ein Glasperlenspiel“ – das wäre allemal besser, ist aber schon besetzt.
Es gibt die Realität, es gibt Medien, die darüber berichten. Es gibt Medien, die Berichte der Medien aus- oder bewerten. Es gibt inzwischen Blogs, die die Berichte und Meinungsseiten der Medien unter die Lupe nehmen oder auch nur weitergeben, also wieder berichten, auswerten. Dazwischen liegen oft Welten. Denn Berufsjournalisten verdienen daran und gehören zu einer Zunft mit geschriebenen und ungeschriebenen Verhaltensregeln. Es gibt für sie also Grenzen dessen, was sie anprangern oder zumindest kritisieren würden. Mit einem einfachen Beispiel – Broder bekommt Prozesse nicht in seiner Eigenschaft als Journalist, sondern als Blogger. Wie war das mit Maximilian Harden?
Nun zeigen amerikanische Vorbilder, dass es möglich ist, auch mit dem Bloggen Geld zu verdienen. Das muss nicht unbedingt direkt gehen. Meist läuft das auch auf Umwegen – zuerst wird ein Name als Marke publik gemacht, dann entwickelt sich diese Marke zum Selbstläufer (oder auch nicht). Nur mit der Werbung auf der Seite Geld zu verdienen ist zwar auch eine Option, entspricht aber nicht der ehrwürdigen Verhaltensnorm der Netcommunity.
Wo es aber nach Geld riecht, kommt auch die Wissenschaft ins Spiel. So entstehen langsam wissenschaftliche Studien, an den Universitäten, die mit dem Fach Medienjournalismus etwas anstellen müssen, wenn sie das das Fach schon zugelassen haben. Was uns unterm Strich immer neue Statistiken einbringt, die aufgrund von Umfragen entstehen.
Das neueste Beispiel ist die Untersuchung, die am Beispiel des Bildblogs in Bamberg gemacht wurde (Link). Sie heißt „Befunde einer Onlinebefragung zur Nutzung und Bewertung von Bildblog“ und wurde in engster Zusammenarbeit mit den Betreibern des Bildblogs durchgeführt und ausgewertet. Sie zeigt aus meiner Sicht, dass (1) die Boulevardszene weiterhin dominiert oder sich gar breiter macht. Mit dem Bildblog wird an der Bildzeitung gekaut. So ist (2) eine fruchtbare Symbiose zustandegekommen, wobei die einen nicht zugeben, dass sie davon profitieren (die Bildzeitung verbessert ihre Inhalte mit einem deutlichen Blick auf die Kritik aus dem Blog), und die anderen erreichen den Platz eins in der Unterhaltungssparte der Blogszene. Stefan Niggemeyer ist durch diese Arbeit zum Star der Szene geworden, ohne dass seine eigene journalistische Tätigkeit dafür einen Anlass gegeben hätte. Sein Name ist inzwischen auch populärer als das Markenzeichen Bildblog.
Die Untersuchung offenbart unter anderem auch den typischen normativen Klassifizierungsversuch, wie die vorhandenen kritischen oder angeblich kritischen Medienblogs sortiert werden, und die damit verbundene Gefahr der Pauschalisierung. Die Blogszene wird auf diese Weise verzerrt dargestellt und sogar beeinflusst – das ist aber weniger neu, denn die irreführende Unterteilung in Alpha-, Beta- und weitere Blogger ist schon sowieso da. Nicht jeder Wissenschaftler weiß von dem langen Weg von einer Statistik zu einer Theorie.
Trotzdem interessant. Erwähnenswert sind auch die Verweise auf diese Publikation. Darunter ein betont neutraler Hinweis von Thomas Mrazek (Link), ein durchaus kampflustiger Beitrag von kamenin (Link), der allerdings mehr auf Spiegel-Watchblogs zielt, und ein Artikel von Tobias Eberwein (Link), der treffend bemerkt:

Viele offene Fragen sind noch nicht einmal gestellt, geschweige denn beantwortet.

Er beschreibt (mit einem Hinweis auf die weiterführende Literatur) mehrere Fallen, die auf einen Medienjournalisten warten, – die Definitionsfalle, die Rollenkontextfalle, die Unabhängigkeitsfalle, die Vermittlungsfalle, die Selbstverständnisfalle. Dann kommt er auch zu der Klassifizierung der Blogs und sagt kein Wort mehr über die Bedeutung der erwähnten Fallen für Blogger:

Ihre Funktionen sind prinzipiell mit denen des herkömmlichen Medienjournalismus vergleichbar.

Er vermutet weiter allerdings, „dass gerade von unabhängigen Kritikern betriebene Watchblogs den skizzierten Problemzusammenhängen des Medienjournalismus viel eher entkommen können als redaktionell gepflegte Angebote.“ Zum Schluss äußert er einen bescheidenen Wunsch:

So wäre es beispielsweise wünschenswert, mit Hilfe von komparativen Herangehensweisen zu prüfen, inwiefern sich die Berichterstattung der medienkritischen Blogger inhaltlich und thematisch von der der herkömmlichen Medienjournalisten unterscheidet.

O-ha! Am Rande sei bemerkt, dass meine inzwischen zahlreichen Erfahrungen mit den Wissenschaftlern auf dem Gebiet der medienkritischen Blogforschung eher amüsant waren. Ich bin gespannt auf die noch heranwachsende Generation, die mit dem Internet, mit den Verhaltensnormen in der Blogosphäre in gleicher Weise wie auch mit den wissenschaftlichen Normen vertraut ist. Vielleicht irgendwann mal?

Bis es soweit ist, machen wir doch glatt daraus einen Reim:

Das ist die Realität, die wir haben.
Das ist die Medienwelt, die die Realität abbildet, die wir haben.
Das ist die Blogosphäre, die die Medienwelt bewacht, die die Realität abbildet, die wir haben.
Das ist die Medienjorunalismusforschung, die die Blogosphäre untersucht, die die Medienwelt bewacht, die die Realität abbildet, die wir haben.
Das ist die Blogosphäre, die die Medienjournalismusforschung beobachtet, die die Blogosphäre untersucht, die die Medienwelt bewacht, die die Realität abbildet, die wir haben.

Die Vorgabe ist, wie bekannt,
Das ist der Hahn, der krähte am Morgen, der weckte den Pfarrer, hochgebor`n, der traute den Mann, zerlumpt und verfror`n, der küsste die Magd, allein und verlor`n, die molk die Kuh mit einem krummen Horn, die schleuderte den Hund, der schreckte die Katz, die schluckte die Maus, die fraß das Korn neben dem Haus, was Jack gebaut hat.

Oder das Original (Link).

 

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