Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Mit Uri Avnery gegen Israel oder fröhliche Übersetzungsschule Samstag, 3. Januar 2009

Irgendwann musste auch Uri Avnery sich zu Wort melden, die Front der Friedenskämpfer wartet darauf. Als der Text gestern in der amerikanischen Zeitung „Progressive“ erschien (Link), suchte ich händeringend in deutschen Ausgaben und wurde erst heute nicht enttäuscht. Gleich zweimal wurde Avnerys Artikel übersetzt und publiziert, in den Linken Klassikern – „Neues Deutschland“ (Link) und „Weltxpress“ (Link). „Freitag“ weinte diesmal bitterlich, eine Woche ohne Avnery, wie kann das nur gehen?

Der gute Avnery sorgt sich um die Terroristen, wie immer. Die Hamas sei von Israel provoziert worden. Sie habe doch kaum Raketen geschossen etc. Und wie immer, das muss gerade in Deutschland verbreitet werden. Dafür sorgen seine Freunde. Das sieht dann so aus:

Die Hamas ist empört und Avnery zitiert:

„Die Palästinenser müssen auf die Morde im Gazastreifen reagieren“ [ND]

„Die Palästinenser müssen auf das Töten unserer Kämpfer innerhalb des Gazastreifens reagieren“ [WE]

„Palestinians must respond to the killing of their fighters inside the Gaza Strip“

Arafats Tod wird nachgebessert:

Mahmud Abbas, dem Nachfolger Arafats, sollte nicht der geringste politische Erfolg vergönnt sein. [ND]

Nach dem Mord an Arafat erklärte Ariel Sharon Mahmoud Abbas, der Arafats Platz einnahm, zum „gerupften Huhn“. Abbas wurde nicht die geringste politische Errungenschaft zugestanden. [WE]

after the murder of Arafat, Ariel Sharon declared that Mahmoud Abbas, who took his place, was a “plucked chicken”. Abbas was not allowed the slightest political achievement.

Näher dem Ende gelten seine Sorgen dann doch wieder Israel. Infolge des Krieges sieht der erfahrene Angstmacher die Hamas stärker wie auch die Hisbollah.

Israel verpasst die historische Chance, mit dem säkularen arabischen Nationalismus Frieden zu schließen. Morgen schon wird das Land vielleicht mit einer einheitlich fundamentalistischen arabischen Welt konfrontiert sein: die Hamas tausendfach multipliziert. [ND]

Israel versäumt die historische Chance, mit dem säkularen arabischen Nationalismus Frieden zu machen. Morgen wird es mit einer einförmigen fundamentalistischen arabischen Welt konfrontiert sein, mit Hamas hoch zehn. [WE]

Israel is missing the historic chance of making peace with secular Arab nationalism. Tomorrow, It may be faced with a uniformly fundamentalist Arab world, Hamas multiplied by a thousand.

Ahmadinejad kann froh sein, er hat den 3,9 % Israelis (Link) Angst gemacht. Avnery ist sein Prophet. Dessen deutsche Übersetzer bringen eine fröhliche Nachricht weiter, Juden seien in Gefahr. Die „Junge Welt“ zitiert Avnery in einer Auflistung mit der Hisbollah und britischen Antisemiten zusammen (Link):

Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ nach einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert durch einen Sprecher erklären, Schuld und Verantwortung für den Angriff Israels auf Gaza liege allein bei der Hamas; Israel habe das Recht auf Selbstverteidigung. Der israelische Friedensaktivist Uri Avnery äußerte sich in einem WDR-Interview entsetzt über die Stellungnahme der Kanzlerin. Deutschland ergreife einseitig Partei für den Kriegstreiber Israel.

Dafür war und ist Avnery immer gut, so etwas kann man bestimmt nicht nur jede Woche, sondern jeden Tag publizieren, nicht wahr? Dass dabei auch einige lustige Übersetzungsunterschiede und wahre Abweichungen vom Original entstehen, ist nebensächlich und doch selbstredend.

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One Response to “Mit Uri Avnery gegen Israel oder fröhliche Übersetzungsschule”


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