Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

„Die israelkritische Tochter“ als „Publizistin“ Montag, 3. August 2009

Raimund Weible im Schwäbischen Tagblatt hat etwas Neues erfunden (Link):

Hecht-Galinski ist die israel-kritische Tochter des verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden Heinz Galinski und lebt im Kreis Lörrach.

Köstlich. Der restliche Text ist auch voll der Peinlichkeiten. Die israelkritische Tochter ist inzwischen von der Jungen Welt zur Publizistin mit einer Leserbriefpublikation geschlagen. Im pluralis majestatis geht da hart zur Sache (Link):

Man fragt sich allerdings, ob der Zentralrat noch für alle deutschen Juden oder nicht viel mehr für Israel spricht. Haben nicht auch die Vorstandsmitglieder deutsche Pässe? Es wird Zeit, daß sich deutsche Juden gegen diese ständigen und beleidigenden Maßregelungen der deutschen Öffentlichkeit, Medien und Politik zur Wehr setzen. […] Auf Journalisten und Korrespondenten, die ständig Unwahrheiten und falsche Anschuldigungen verbreiten, können wir sehr gut verzichten. Das gleiche gilt für die Websites und Netzwerke jüdischer und israelischer Interessenvertreter, die Hetze gegen alle Israel kritischen Stimmen verbreiten. Neuerdings sogar professionell und gegen Bezahlung betrieben, initiiert von der israelischen Regierung.

Evelyn Hecht-Galinski, Publizistin

Noch ein recht amüsanter Text wurde von derselben Jungen Welt verewigt, nämlich von Wolfgang Richter, im Namen der Menschenrechtskämpfern in der ehemaligen Uniform (Link). Ihm

fällt übrigens keine Menschenrechtsorganisation in Deutschland ein, die einen höheren prozentualen Anteil jüdischer Bürger unter ihren bislang 13 Preisträgern hätte als die GBM. Das kann auch niemanden verwundern, der der GBM die DDR-Herkunft der meisten ihrer Mitglieder vorwirft. In der DDR waren in Regierung wie übrigens auch im Zentralkomitee der SED (nach einer Untersuchung von Mario Kessler) bis 1967 sieben bzw. acht jüdische Bürger vertreten, während in der Bundesrepublik bis dahin nicht ein einziger an der Regierung beteiligt war. Das war wohl nicht nur der Schatten Globkes, sondern Ausdruck offizieller Staatspolitik der Adenauer-Ära und eines unbewältigten Faschismus. Gänzlich haltlos ist der heute in diesem Zusammenhang von David Harris vorgebrachte Vorwurf, die GBM werde durch ehemalige Stasi-Mitglieder geleitet. Das ist ein ähnlicher Vorwurf wie der, auf dessen Wiederholung Anne Will angesichts unserer beabsichtigten Klage dagegen in ihrer Talk-Show seither verzichtete. Was aber soll dieser Vorwurf nun gar noch im Zusammenhang mit Israel, ganz unabhängig von seiner Absurdität, wo doch das MfS bei der Verfolgung der Eichmänner gewißlich an der Seite Israels stand?

Man wirft Felicia Langer gewissermaßen jüdischen Antisemitismus vor. Auch das ist grotesk, ist ihr gesamtes Denken und Handeln doch von tiefer Liebe zu allen Menschen erfüllt. (…)

Es bleibt uns der mahnende Satz Felicia Langers: »Wer in Deutschland aus Furcht vor einem Beifall von der falschen Seite zu Israels verbrecherischer Politik gegenüber den Palästinensern schweigt, ist schon wieder ein bißchen Mittäter.«

Unzählige Kostbarkeiten, so gut wie in jedem Satz. Tja, so geht das weiter.

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6 Responses to “„Die israelkritische Tochter“ als „Publizistin“”

  1. […] ist ihr gesamtes Denken und Handeln doch von tiefer Liebe zu allen Menschen erfüllt. (…)

    Schamloser geht’s kaum noch. Immer wenn ich diesen Satz lese bin ich sprachlos ob solch‘ verzerrender Dreistigkeit.

  2. peet Says:

    Der andere Satz
    „[…]schon wieder ein bißchen Mittäter […]“
    ist auch nicht von schlechten Eltern.

  3. Hast du schon meine Zitatsammlung zu FL gelesen?

    Velleicht schon, weil es natürlich über den VCC-Ticker lief. Sicherheitshalber hier noch einmal:

    http://castollux.blogspot.com/2009/07/felicias-schatzkastchen.html

    Clemens Henis Text zu Tübingen (http://clemensheni.wordpress.com/2009/07/31/schwabisches-tagblatt-protegiert-langers-antisemitismus-seit-1991/) gefällt mir beinahe am besten, auch wenn Liza, Claudio und Petzold u.a. einiges gebracht haben.

    Gruß
    Bernd

  4. peet Says:

    Ja, Bernd, gute Arbeit. Darin fand ich besonders lustig die Verzerrung des berühmten Zitats „Si vis pacem para bellum!“ Es soll nicht mit „Wenn Du den Frieden willst, bereite den Krieg vor!“ übersetzt werden, sondern „…bereite dich zum Krieg!“
    Den Text und noch mehr den Brief (an die Zeitung) von Clemens Heni finde ich etwas zu aufgeregt, etwas daneben, tut mir leid. Mails zwischen Broder und Palmer reichen vollkommen aus, besser kann man das nicht erfassen :-)

  5. Clemens leistete aber sehr gute Arbeit, was die Hintergrundinformation zur „Szene“ in Tübingen betraf.

    Auch wichtig.

    :-)
    Bernd

  6. peet Says:

    Das stimmt auch, richtig. Nur… es hätte dann – aus meiner Sicht – gereicht, die Fakten zu protokollieren… :-)


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