Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Bodo Thiesen als Stolperstein der Piratenpartei Mittwoch, 19. August 2009

Die Piratenpartei hat ein Glaubwürdigkeitsproblem und ähnelt einer Schnecke. Das Problem hat einen Namen, das ist Bodo Thiesen. Seine Position und sein Umgang mit der Kritik wurden im Netz schon genug besprochen. Der Parteivorstand hat auf die Kritik reagiert, auch wenn das sehr langsam und häppchenweise geschehen durfte. So wurde der gute Mann seines Parteiamtes enthoben und sein Ausschluss beantragt.

Schön und gut, nach Monaten wird es auch nicht jeder mehr wissen, wie es abgelaufen ist. Es bleibt nur ein kleines Hacken an der Story. Bodo Thiesen steht immer noch auf der Wahlliste. Kann mir einer das erklären: Ein so gut wie ausgeschlossenes Mitglied kandidiert im Namen der Partei?

Piraten Thiesen 19.08.2009

Links zum Artikel:
Aufmerksam auf die Story wurde ich durch eine sarkastische und etwas rätselhafte Eintragung bei bov. Den ersten Überblick bekommt man in der Auflistung von mjuenemann sowie bei der Netzeitung. Klarheit verschaffen die dokumentierten Stellungnahmen des Revisionisten Thiesen. (Gerade in dieser ehrlichen Dokumentation liegt ein Plus der Piraten, die Kinder des Internets sind.) Darunter Thiesens Unterscheidung zwischen Überfall und Angriff. Im selben Text glänzt ein Satz, der bis jetzt von keinem der Beobachter extra bedacht wurde. Und zwar eine Aussage über

„ein faschistisches Regime, das aufgrund einer mangelhaften Verfassung in Deutschland von 1933-1945 für 12 Jahre an die Macht kommen konnte[…]“

Aus dem Satz kann man schliessen, die „mangelhafte Verfassung“ sei der einzige Grund gewesen, warum Hitler an die Macht gekommen ist. Hmm…
Dokumentiert sind auch Stellungnahmen des Vorstandes (hier, hier und hier), zickige Reaktion des Helden selbst (Link), der in der Distanzierungskunst geübt ist, wie seine frühere Stellungnahme zeigt. Einige Diskussionsbeiträge dazu sind auch lesenswert (hier, hier und hier). Das Thema wird auch bei Spreeblick diskutiert, darunter mit der rechtsradikalen Beteiligung, die eine verdiente Abfuhr bekommt. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass die Debatte zum Thema im Forum der Piratenpartei weniger heiß läuft (dafür aber lang).

 

5 Responses to “Bodo Thiesen als Stolperstein der Piratenpartei”

  1. quark Says:

    Könnte damit zusammenhängen, dass der Vorstand das Verfahren erst am 18.07.09 (http://www.piratenpartei.de/node/818) eingeleitet hat, am 23.07.09 (http://www.bundeswahlleiter.de/de/bundestagswahlen/BTW_BUND_09/terminkalender_btw09/) aber bereits die vollständige Liste abgegeben werden musste.

    Wie man innerhalb von 5 Tagen einen gültige Landesparteitag einberufen soll um eine neue Liste abzustimmen ist mir nicht klar, wird mir aber der Autor dieses Blogs bestimmt erklären können. :P (Einladung muss fünf bis sieben Wochen vor Termin erfolgen, siehe http://wiki.piratenpartei.de/RP:Satzung)

    Das nur meine Meinung als Pirat aus Berlin, der jetzt weder die internen Abläufe noch die Satzung des Landesverbands Rheinland-Pfalz im Kopf hat.

    In diesem Sinne, nicht hinter allem steckt eine Verschwörung. Manchmal ist es einfach der Zwang des Faktischen.

  2. Don Says:

    Ja, eine Verfassung, die so etwas nämlichn nicht verhindert hat, das sie ausgehebelt wurde. Eine Verfassung, welche die Offene Gesellschaft nicht ausreichend institutionalisierte.

    Was Du hier betreibst ist billiges Denunziantentum. Es gab eine sehr detaillierte Diskussion, und das nicht erst seit gestern.

  3. […] August 2009 Da mein Kommentar dort offensichtlich moderiert wird, hier mein Kommentar noch einmal als Post. Könnte damit […]

  4. peet Says:

    @quark
    Wer spricht hier von der Verschwörung? ich habe eine Frage gestellt. Deine Antwort bzw. Vermutung scheint mir plausibel zu sein. Allerdings würde ich dann auch in der Sache eine Stellungnahme der Landespartei erwarten. Besser wäre es den „freiwilligen“ Rücktritt des Kandidaten zu erzwingen, der sowieso zum Ausschluss freigegeben wurde. Auch dies – nur meine Meinung.

    @Don
    Ich darf in diesem Zusammenhang auch die Rolle der Menschen erwähnen. Es gibt Institutionen und es gibt Personen, und es gibt den menschlichen Faktor, sowohl an der Spitze der Gesellschaft als auch in den Massen. Hoffentlich ist das in der „sehr detallierten Diskussion“ nicht so ganz untergegangen. Es kann sehr schnell peinlich werden, wenn ungeübte Politiker mit einem Satz die komplexen geschichtlichen Entwicklungen neu beschreiben wollen. Lieber gleich lassen und an die Fachleute abgeben. Schlimmstenfalls abschreiben oder zitieren, es gibt wahrlich genug gute Bücher zum Thema.

  5. […] das selbe ideologische  Stöckchen und scheinen kein Bewusstsein darübe entwickeln zu können. Bodo Thiesen bleibt also kein Einzelfall. Und dies ist nicht trotz des Wahlkampfes der Fall. Possibly related […]


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