Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Der linke Freitag Sonntag, 20. September 2009

Jakob Augstein sucht händeringend eine Nische, ein Profil für sein Ein-Mann-Projekt. Gemeint ist eine linke Boulevardzeitung, wie bekannt. Diesmal soll ein ganzes Land dem Projekt geopfert werden, und zwar Afghanistan. Die Redaktion hat einen pazifistischen Aufruf vorbereitet, der von so bedeutenden Schriftstellern wie Sarah Kuttner, Charlotte Roche, Martin Walser und gar einer Aktivistin mit dem vielversprechenden Namen Gretchen Dutschke unterzeichnet wurde. Die realpolitische Perspektive dieses Manifestes ist so dumm, dass sich einige weniger pazifistische Intellektuelle fanden, den Text zu kritisieren, insbesondere der Perlentaucher-Chef Thierry Chervel. Dieser hat zu Recht zwei Sachen kritisiert, nämlich die Verschmelzung der linken und rechten Ansichten sowie eine feige Naivität. Genauso wie in der Beurteilung der Gefahr, die von der Iran-Regierung ausgeht, wird suggeriert: Lasst uns nur still und ruhig sein, irgendwie wird es schon an uns vorbei gehen, schlimmstenfalls werden die anderen zuerst ausgerottet.

Weil dies zu wenig Zündstoff lieferte, musste Jakob Augstein sofort antworten und zwar im eigenen Medium. Daraus kann man gut sehen, dass es nicht um einen Dialog geht, sondern um – wie gesagt – die Profilierung der eigenen Plattform. Auch die Antwort ist uninteressant. Kein anderer Denker, nicht einmal der andere große Pazifist und Mitunterzeichner Roger Willemsen, hat sich zu Wort gemeldet. In Blogs kamen nur zwei Reaktionen, beide fielen vernichtend negativ aus (Blütenlese, Blogterium).

Peinlich. Diesem Unglück muss man unbedingt zu größerem Ruhm verhelfen – ich setze dieses Schreiben auch bei den FDOG – als eine gewisse Strafe :-)

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2 Responses to “Der linke Freitag”

  1. sachichma Says:

    „die Verschmelzung der linken und rechten Ansichten sowie eine feige Naivität“ > was ist damit denn gemeint? Die bürgerliche Mitte versteht die Afghanen?

  2. peet Says:

    eine Stufe höher hin zu der Metaebene. Erstens die klare Positionierung der Linken und der Rechten im Bezug auf die Afghanistan-Falle ist nicht mehr da (vielleicht ist das auch nicht mehr möglich). Zweitens ist mit dem Pazifismus als solchem kein Problem zu lösen, und erst recht das Afghanistan-Problem nicht. Von der bürgerlichen Mitte habe ich nicht gesprochen. In Deinem Blog gehts um das Thema, und ich würde meinen, zuerst eine Wirtschaft, dann eine Demokratie mit einer Armee und Polizei, aber nicht andersherum. Ich befürchte, das verstehen weder die ehemaligen Linken noch ehemaligen Rechten…


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