Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Ein Videogedicht? Montag, 16. August 2010

Filed under: Blogging,Film,Kunst,USA,YouTube — peet @ 13:51 Uhr
Tags: , , , , ,

Seit einigen Tagen wird ein Videoclip verlinkt, mit Begeisterung weiter empfohlen. Die eine Version ist bei Vimeo zu sehen, die andere, etwas reifere bei Youtube:


Autoren sind Daniel Mercadante und Will Hoffman. Bei den Bewertungen und Beschreibungen wird diese Produktion als Videogedicht („modernes Gedicht„) gelobt, als „eine Art assoziativer Montage“ „im Sinne von Eisenstein“ klassifiziert. Oder als „a visual interpretation of stream-of-consciousness„. Noch konkreter wird es im Kommentar von der Hoepp (bei iGNANT):

Wie der Titel schon sagt, geht es um Worte und unterschiedliche Bedeutungen. Es fängt mit “Play” an, geht über “Blow”, “Break”, “Split”, “run”, “fly”, “fall”, “light” zu “space”. Ich finds wunderbar, besonders Fly und Fall.

Die Notwendigkeit, die englische Sprache zum Verständnis des Clips mitzubringen, betont auch Cinematze.
Dazu:
1. Die Poesie lebt nicht nur von Reimen. Diese Art, die Haiku- oder Hokku-Technik in die Videomontage zu verwandeln, erinnert mich viel mehr an die übliche Krankheit der Prosachreibenden – Alliteration. Ich mag das auch, all Wortspiele, Klangspiele, Wortdrehungen, Buchstabenumstellungen usw. In der wahren Poesie sind sie ein Sprachmittel von vielen. In der Prosa werden sie normalerweise vom erfahrenen Lektor wegredigiert. Die Entscheidung darüber, ob ein Text poetisch ist, auch wenn es ohne Reime auskommt, ist manchmal schwer, für sich aber kein Problem. Es kommt auf die Intention des Autors an.
In der Videokunst ist dieser „Words“-Clip ein Ereignis, da Bilder assoziiert werden, die eine optische Ähnlichkeit haben. Faszinierend allemal.

2. Eine Montage in der Art von Eisenstein ist das aber nicht, da gerade die dynamische und parallele Montage fehlt. Eher eine Skizze. Es gibt kaum eine Idee, die mehr als nur eine witzige Assoziation wäre. Die Erhebung zum Höheren am Ende des Clips ist toll, keine Frage. Ein Haiku neben einem Poem wie ein Clip im Vergleich zu einem Film wie Beshinwiese („Beschin lug“)?
3. Als ich den Titel „Words“ gesehen habe, dachte ich zuerst irrtümlicherweise an den berühmten Song von F.R.David. Überhaupt die Notwendigkeit, Worte zwischen den Bildern und deren Verknüpfung einzubringen, dazwischen zu schalten, scheint mir ein Problem zu sein. Ich bin der Meinung, optische Reize sollten für sich sprechen. So zum Beispiel, wie es von einem Youtube-Meister mit einfachen Mitteln gepflegt wird, den man unter dem Nicknamen eggman913 kennt (eigentlich Philip Scott Johnson):

Andere Beispiele dieser Art habe ich schon erwähnt. Trotzdem die Vorstellung, bei der Geburt einer neuen Gattung – Videogedicht – dabei zu sein, ist großartig.

Advertisements
 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s