Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Einmal Uri Avnery lesen Freitag, 16. Juli 2010

Der wichtigste Ellen-Rohlfs-Graphoman ist, wie bekannt, Uri Avnery, der dank diesem Umstand auch zum Lieblingsautor der friedensliebenden deutschen Linken avancierte. Man kann seine Ergüsse kaum ertragen, sie sind aber da, aktuell am meisten beim Boulevard-„Freitag“. Und sie werden gelesen und als sympathisch betrachtet. Nehmen wir nur ein aktuelles Beispiel und zeigen, was daran faul ist.
Am 15. Juli hat „der Freitag“ die wöchentliche Portion Avnery geliefert, diesmal der Bildung der Untersuchungskommission über den Vorfall um die so gennante Gazaflottille gewidmet. Es geht gleich los (Link):

Der Streit, welche Kommision mit welchen Rechten den Angriff auf die Gaza-Flottille am 31. Mai untersuchen soll, gerät zur Schlacht um Werte der Demokratie.

Avnery und seine erfahrenen Leser gehen davon aus, dass Israel – wie übrigens auch jeder andere nicht sozialististische Staat – keine Demokratie ist. Deswegen müssen Avnery und Konsorten den Kampf um die Demokratie hoch halten, sonst gibt es keine Demokratie. Alle anderen wissen, wie es in Israel um die Bildung der Kommissionen steht, und wissen auch, wie wenige Staaten der Welt diesen hohen Ansprüchen genügen. Das wird bei Avnery immer verschwiegen.

Ein Sieg ist ein Sieg. Ein großer Sieg ist besser als ein kleiner, und ein kleiner Sieg ist besser als eine Niederlage. Auch für unseren Friedenskreis von Gush Shalom. Der hatte unmittelbar, nachdem die Turkel-Kommission nominiert war, um den Vorfall mit der Gaza-Flottille zu untersuchen, beim Obersten Gericht ein Gesuch eingereicht und verlangt, eine qualifizierte staatliche Untersuchungskommission zu benennen. Kurz vor der anberaumten Anhörung rief das Büro des Justizministers unsere Anwältin Gabi Lasky an, um mitzuteilen, der Ministerpräsident habe im letzten Augenblick entschieden, der Kommission mehr Befugnisse zu geben.

Weil außer dem Avnery-Fan-Club keiner von seiner enormen Bedeutung als Kämpfer für Demokratie überzeugt ist, muss Avnery selbst dafür sorgen. Deswegen bildet er sich ein, zumindest zu Beginn des Artikels, dass es nur dank ihm möglich wurde, dass die Kommission so und nicht anders gestaltet wird. Am Ende des Artikels vergisst er das und erwähnt die wahren Gründe dafür:

Unmittelbar nachdem er [gemeint ist hier Richter Turkel, der Leiter des Kommission] das Amt zu Netanyahus Bedingungen angenommen hatte, drohte er mit Rücktritt, sollten seine Vollmachten nicht vergrößert werden. Netanyahu gab nach.

Es hat also doch nichts mit Avnery, seiner Friedensgruppe und seinem Anwalt zu tun.
Das Wichtigste ist ein kurzer Satz, der ziemlich versteckt ist:

Das Entern der Gaza-Schiffe hat die ganze Welt gegen uns aufgebracht und dem Verhältnis zur Türkei einen Schlag versetzt.

Hier dreht Avnery den Spaß um. Die israelische Regierung hat aufgrund des permanenten Kriegszustandes eine Seeblockade verhängt und setzt sie durch. Das interessiert Avnery nicht, er geißelt die imperialistische Politik der Willkür. Fakten gehören nicht in sein Bild, sie werden außer Acht gelassen. Genauso ist es mit dem Verhältnis zur Türkei. Die türkische Regierung arbeitet seit Jahren daran, das Verhältnis zu Israel herunterzubringen, provoziert und beleidigt. Jeder Versuch der israelischen Regierung, das zu verhindern, mit guten oder schlechten Methoden, wird minutiös analysiert, die Handlungen Erdogans dagegen nicht einmal beim Namen genannt. Die Flottille ist eine martialische Provokation, eine feindselige Einmischung der Türkei in den laufenden Krieg.
So erschafft Avnery seine Wirklichkeit. Seine Leser sind ihm dafür dankbar, nicht wahr?

 

Friedliche Aktivisten bei Reuters Montag, 7. Juni 2010

Im Blog „Little Green Footballs“, den hoffentlich jeder kennt, wird die Manipulation eines Fotos durch Reuters aufgedeckt. Verwundungen, Blutspuren und das Messer wurden entfernt, damit friedliche Aktivisten weiterhin friedlich bleiben. Der mediale Krieg tobt!

 

Christian Stöcker blamiert den Spiegel Sonntag, 6. Juni 2010

Der Artikel von Christian Stöcker („Propaganda-Satire blamiert Israels Regierung“) von gestern hat viele erreicht, er wird viel verlinkt und getwittert. Er ist aber auch ein Beispiel für antiisraelische Propaganda und wird in diesem Sinne in die Geschichte der deutschen Journalistik eingehen.

Inzwischen weiß die Welt, wer die 9 Toten sind, die Opfer des eigenen Vorhabens auf dem Hauptschiff der „Free Gaza“-Aktion. Bei Stöcker sind die türkischen Islamisten weiterhin bloß „neun Passagiere“. Alle wissen: Die Flotte wurde mit dem Ziel geschickt, die Seeblockade zu brechen, d.h. als eine kriegerische Einmischung auf der Hamas-Seite. Bei Stöcker wird die „Hilfsflotte“ „attackiert“. Die veröffentlichten Videos (sowohl von den in Beschlag genommenen Kameras des Schiffes und dessen Besatzung als auch der israelischen Marine) stellen den Ablauf und die Art der Konfrontation dar. Bei Stöcker „sollen“ sie die Sicht der israelischen Armeeführung „zeigen“. Auch die Kontrolle über ein weiteres Schiff verlief nur „augenscheinlich friedlich“, nicht einfach friedlich, wie schon mehrere davor. Darüber darf der Leser nichts erfahren.

Die Satire des latma-Studios gefällt Christian Stöcker nicht. Das ist verständlich. Sie zielt auf den Jornalismus, wie er ihn betreibt, und trifft Christian Stöcker offensichtlich direkt. Das ist auch gut so.

Auch bei der Beschreibung der Inszenierung erwähnt er noch einmal Bilder, „die zeigen sollen, wie Israels Soldaten angegriffen wurden.“ Nicht zeigen, sondern eben zeigen sollen. Feine Sache.

Weil Christian Stöcker daraus nicht mehr herausholen kann, greift er die Art der Verbreitung und der Finanzierung dieses Clips an. Nun sollte gerade er besser wissen, dass die eigentliche Verbreitung dieses Videos via Internet gelaufen ist und nicht durch die Empfehlung des israelischen Presseamts. Das kann er auch nicht zugeben, er muß eine Connection zwischen dem israelischen Militär und der amerikanischen Finanzwelt herstellen, das tut er.

Die Uno, der Menschenrechtsrat, viele europäischen Politiker stellen sich auf die Seite der Hamas, Christian Stöcker kann sich ganz sicher in dieser Mitte fühlen. Auch er hat mitgemacht.

Nur wird er nie an die journalistische Größe einer Caroline Glick herankommen, die er abwertend der „konservativen“ „Jerusalem Post“ ganz korrekt zuordnet. Sie ist eine hervorragende Kolumnistin. Er dagegen „soll“ einen Journalisten zeigen.

Er wird sich wohl wundern, dass ein anonymer Autor der anderen Youtube-Satire unbekannt bleiben möchte. Dieser Passus ist bestimmt zu kompliziert für ihn. Ich meinerseits wende mich an die unbekannten Autoren dieses weiteren Clips mit dem Angebot, deren Arbeit gerne mitzufinanzieren. Einfach so, damit Christian Stöcker sich ärgert.

 

Bericht über den russisch-georgischen Krieg: Lesarten Sonntag, 4. Oktober 2009

Die europäische Kommission unter dem Vorsitz der schweizerischen Diplomatin Tagliavini hat einen mehr als 1000-Seiten langen Bericht publiziert. Ein Kunstwerk der Diplomatie, wie aus der Orakelschule, nach dem Motto – wie sage ich etwas, was jeder für sich in seinem Sinne deuten kann.
Die prorussische Presse hat den einen passenden Satz daraus zitiert, die progeorgische Presse den darauffolgenden Nebensatz. Die wenigsten haben den kompletten Bericht geschafft, das waren aber nicht die dafür zuständigen Journalisten. Die Kommission hat versucht, alle Dokumente zusammenzubringen, mit den offiziellen war das auch leicht. Die vorliegenden Publikationen in den Medien wurden aber in entscheidenden Fällen mißachtet. So durfte die Kommission dann mit ruhigem Gewissen sagen, dass sie nicht genug Fakten gesammelt hat, um die Schuldfrage zu klären. In der staats- und völkerrechtlichen Beurteilung der Ereignisse hat die Kommission auch mit zwei Meßlatten gearbeitet – die Georgier durften auf ihrem eigenen Territorium in den abtrünnigen Provinzen keine militärischen Operationen führen, die Russen dagegen durften auf dem fremden Territorium sich stationieren und feindselig wie provozierend handeln.
Eine Auswertung der vorgelegten Positionen beider Kriegsparteien hat die Kommission unterlassen. Wenn diese Positionen einander ausschliessen, könnte das bedeuten, dass die eine Seite lügt. Die Kommission ist sich zu fein, um sich damit zu beschäftigen. Es führt dazu, dass die Fakten des zweiten Teils der Meinung des ersten Teils desselben Berichts widersprechen, ohne dass dies zum Problem für die meisten Medien wurde.
Nur zwei Zitate, aber die wichtigsten:

The shelling of Tskhinvali by the Georgian armed forces during the night of 7 to 8 August 2008 marked the beginning of the large-scale armed conflict in Georgia, yet it was only the culminating point of a long period of increasing tensions, provocations and incidents. Indeed, the conflict has deep roots in the history of the region, in peoples’ national traditions and aspirations as well as in age-old perceptions or rather misperceptions of each other, which were never mended and sometimes exploited.

Wenn man diese Sätze „normal“ liest, hat man klare Sicht auf die diplomatische Kunst – der georgische Beschuss „markiert“ den Beginn der heißen Phase, er ist aber auch nur die Eskalation im langen Prozess.

The Mission is not in a position to consider as sufficiently substantiated the Georgian claim concerning a large-scale Russian military incursion into South Ossetia before 8 August 2008. However, there are a number of reports and publications, including of Russian origin, indicating the provision by the Russian side of training and military equipment to South Ossetian and Abkhaz forces prior to the August 2008 conflict. Additionally there seems to have been an influx of volunteers or mercenaries from the territory of the Russian Federation to South Ossetia through the Roki tunnel and over the Caucasus range in early August, as well as the presence of some Russian forces in South Ossetia, other than the Russian JPKF battalion, prior to 14.30 hours on 8 August 2008.

Auch – einerseits, andererseits. Es gibt Berichte, aber wir wissen nicht, ob wir den glauben sollen. Die russische Regierung will das nicht. Tja…
Die weniger vorsichtigen Formulierungen wählt Heidi Tagliavini in ihrem Kommentar zum Bericht (Link) aus:

Like most catastrophic events, the war of August 2008 had several causes. The proximate cause was the shelling by Georgian forces of the capital of the secessionist province of South Ossetia, Tskhinvali, on Aug. 7, 2008, which was followed by a disproportionate response of Russia. Another factor was the lack of progress, for more than 15 years, in the resolution of the two “frozen conflicts” of Abkhazia and South Ossetia.

As the special representative of the United Nations secretary general in Georgia from 2002 to 2006, I saw a narrow window of hope open and close in the first half of 2005, after which the differences between Russia and the West over Kosovo, and the deterioration of relations between Georgia and Russia, destroyed any prospect for a substantive negotiation.

Russia systematically gave passports to residents of Abkhazia and South Ossetia, asserting responsibility for Russians in what it called its “near abroad” without any consultation with Georgia, whose territorial integrity was thus increasingly challenged.

Meanwhile, Georgia was pressing to accelerate its accession to NATO, and embarking, with the support of the United States, Ukraine and Israel, on a major modernization of its armed forces. Georgia’s military budget grew from 1 percent of G.D.P. to 8 percent, and military bases near Abkhazia and South Ossetia were modernized.

In 2007 and the first half of 2008, cease-fire arrangements made after the first Georgia war came under increasing strains. Russian forces did not refrain from shooting down Georgian drones over Abkhazia, and dangerous incidents provoked by both sides occurred more and more frequently.

Weniger ausgewogen sind diese Erklärungen, manches wird hier ausgeblendet. Die oben zitierten Hinweise auf die „unbestätigten“ Fakten fehlen vollkommen.
Etwas strenger ist Claudia von Salzen in ihrem „Zeit„-Kommentar:

Der Krieg in Georgien war alles andere als unvermeidlich. Saakaschwili ließ sich durch russische Provokationen in diesen Konflikt treiben, auf mahnende Stimmen aus dem Westen hörte er nicht oder wollte er nicht hören. Deshalb feuerten georgische Soldaten die ersten Schüsse ab. Diese Verantwortung bleibt, und Georgien muss sich ihr ehrlich stellen.

Doch auf der anderen Seite hatten Russlands Premier Putin und sein Präsident Medwedew ihrerseits ein Interesse daran, den Konflikt immer weiter auf die Spitze zu treiben: Monatelange Provokationen waren dem Krieg vorausgegangen, und kaum hatte der bewaffnete Konflikt begonnen, marschierten russische Soldaten weit über die Grenze Südossetiens ins georgische Kernland.

Was für Provokationen? Wo waren die russischen Soldaten, bevor sie in den Krieg zogen? Das wird ausgeblendet.
Viel weiter geht Doris Heimann, die in mindestens zwei deutschen Zeitungen ihre Meinung publizierte (z.B. hier):

Der Bericht der EU-Untersuchungskommission zum Georgien-Krieg ist ausgewogen und differenziert. Sensationelle neue Fakten enthält er nicht. Georgiens Präsident Michail Saakaschwili hat den Krieg begonnen, als er in der Nacht zum 7. August 2008 den Befehl zum Angriff auf Zchinwali gab. Seine Behauptung, die Russen hätten vorher eine Invasion in Süd-Ossetien gestartet, war gelogen. Russland überzog seine Reaktion: Moskau hatte zwar das Recht, seine Friedenstruppen zu verteidigen. Das Eindringen russischer Soldaten in das georgische Kernland aber war eine unnötige Eskalation.

Der Kreml wird nun nicht mehr klagen können, dass der Westen den Georgien-Krieg voreingenommen bewertet. Und die georgische Führung muss sich darauf einstellen, dass ihr künftiges Handeln von der internationalen Gemeinschaft sehr viel genauer beäugt wird. Das Bemerkenswerte an dem EU-Bericht ist seine massive Kritik am Versagen der internationalen Institutionen. Uno, OSZE, Nato und EU – sie alle waren vor dem Ausbruch des Konflikts vor Ort. Westliche Diplomaten in Tiflis warnten bereits im Mai 2008, in der georgischen Regierung gäbe es aktive Kriegstreiber. Nun braucht es Jahre, um das beschädigte Verhältnis zu Russland zu kitten.

Was versteht die Journalistin unter „ausgewogen und differenziert“? Warum verschweigt sie mehrere neue Fakten im zweiten und dritten Teil des Berichts, die Russland schwer belasten? Hat sie den Text überhaupt gelesen? Was sind ihre Quellen, wenn sie vom Anfang des Kriegs spricht, von den Lügen? Davon steht im Tagliavini-Bericht nichts. Die Kommission verwendet das Wort Krieg nicht, der Lüge werden eigentlich viel mehr die Russen bezichtigt, auch wenn das nur indirekt passiert. In russischen Deutungen des Berichts trifft man eher auf die Analogien zu der Meinung von Doris Heimann. Kein Wunder, dass sie sich in der ersten Linie „um das beschädigte Verhältnis zu Russland“ Sorgen macht.

Kein Wunder auch, dass die Veschwörungsspezialisten noch viel weiter gehen und die Kommission beschuldigen, die georgische Regierung nicht eindeutig verdammt zu haben (z.B. hier). Basierend auf (durch die Kommission zum Teil widerlegten) russischen Fälschungen wird weiterhin die Putin-Propaganda betrieben. Fast alle deutsche Zeitungen haben den Bericht mit den eindeutigen Titeln kommentiert und sich auf die Seite der russischen Propagandamaschine gestellt: Georgien hat den Krieg begonnen (FAZ); Georgien gab den ersten Schuss ab (Handelsblatt, Spiegel); Georgien feuerte zuerst (Focus, Bild); Georgien begann Kaukasuskrieg (Tagesschau) usw.

Im gewissen Sinne ist der Bericht also besser als seine Verwertung. So weit musste es kommen…

 

Und so schreibt Ellen Rohlfs, wenn sie nicht gerade Uri Avnery übersetzt Samstag, 10. Januar 2009

Von vielen verbreiteten Lügengeschichten der letzten Tage hat eine mich besonders erfreut.

Ellen Rohlfs, Übersetzerin und treue Mitkämpferin Avnerys, hat es geschafft, einen leider gekürzten Leserbrief in der „Nordwestzeitung“ unterzubringen. Das Land soll seine Heldinnen an der antisemitischen Front kennen:

Ellen Rohlfs bei der Arbeit

Über die selbst gebastelten Raketen wurde schon genug geschrieben, über ihre Zerstörungskraft, wie auch über die viel stärkeren Raketen, die nach dem Sturm der Grenze zu Ägypten reingeschmuggelt wurden. Darunter Raketen russischer Konstruktion aus iranischer und chinesischer Produktion, mit der Reichweite bis zu 70 km.

Genug wurde auch über den Vorfall mit der sogenannten UN-Schule geschrieben. Über die Leichen von Raketenspezialisten, die namentlich genannt wurden. Die nach dem Abschuss ihrer Raketen direkt zurückbeschossen wurden und auf der Stelle getroffen (dies wurde auch von den palästinensischen Augenzeugen bestätigt). Über deren Munition, die anschließend explodierte und zum Tod der Zivilisten in dem Gebäude geführt hat. Ach was, das sind doch nur „Lügen“, sagt Rohlfs. Schön-schön.

 

Michael Lee White und das Schicksal seines Passes in Russland Dienstag, 2. September 2008

Eine der schönsten Lügen des russisch-georgischen Krieges wird von den deutschen Medien ignoriert. Die Chronologie sieht so aus:

Dezember 2005 – ein Amerikaner namens Michael Lee White fliegt von Moskau nach New York. Während des Fluges ihm wird sein amerikanischer Pass gestohlen (Link).

August 2008 – der stellvertretende russische Generalstabschef Anatoli Nogowizyn zeigt diesen Pass während seiner Pressekonferenz als Beweis für die Beteiligung der amerikanischen Streitkräfte an der Seite Georgiens. Der Pass sei im Kampfgebiet gefunden worden (unzählige Meldungen mehrerer Agenturen).

August 2008 – der russische Ministerpräsident Putin erwähnt dies als bewiesen im CNN-Interview und im ARD-Interview mit Thomas Roth (Link),

„weil wir auf die Spuren der US-Bürger in der Zone der Kampfhandlungen gestoßen sind“.

Michael Lee White ist im August 2008 in China und versteht das nicht.

Es gibt keinen einzigen Beitrag zum Thema in deutscher Sprache.

 

Russland-Experte Kaminer Samstag, 1. März 2008

In der heutigen „Frankfurter Rundschau“ kann man Wladimir Kaminer bewundern, wie er sich in die Reihe der Russland-Versteher stellt (Link):

Sicher, es steht wenig zur Wahl. Das heißt aber nicht, dass es keine Demokratie ist. Es ist eine andere Form davon. […] Ich habe in Moskau sehr viel kritisches Material gelesen, in verschiedenen Zeitungen. Das ist nicht zu vergleichen mit der Atmosphäre in der Sowjetunion. Damals hat das Dissidententum tatsächlich für große Aufregung gesorgt. Es gehörte sehr viel Haltung und eine gewisse Heldenhaftigkeit dazu, sich gegen das Regime zu stellen. Heute werden die Oppositionellen vom Volk oft verspottet. […] Die Medien waren nie besser gestellt als heute. […] Der tragische Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja hat dem Ansehen Russlands viel mehr geschadet, als ihre Arbeit es je konnte. […] Ich bin gar kein Fan von Putin. Er war halt die einzige Alternative zu dem, was vorher war.

Eine seltene Mischung aus Unwissenheit, unverdauten Resten offizieller Putin-Propaganda und direkten Lügen. Kaminer kann bekanntlich nicht zwischen Kafka und Konsalik unterscheiden. Zwischen Wahrheit und Lüge noch weniger.

 

Wer ist hier der agent provocateur? Samstag, 1. Dezember 2007

In der Wochenzeitung „Freitag“ schreibt ein Kai Ehlers zu „Kasparows Festnahme“ (Link):

Wenn Kasparow fünf Tage in Haft geht, weil er die Bannmeile durchbricht, ist damit nicht die Opposition niedergeschlagen, wie behauptet wird, sondern ein Provokateur so behandelt worden, wie er es sich nicht besser wünschen konnte. Und wenn Putin Revanche und Chaos nach den Wahlen fürchtet, ist das begründet, denn Russlands neue Stabilität ist keineswegs gefestigt. Ex-Oligarch Beresowski, der sich rühmt, Kasparaw zu finanzieren, agitiert aus London für den Umsturz; Kasparow seinerseits ist Mitglied des Security Advisory Council der USA. Solcherart Einmischungen einzudämmen, ist für Russland existenziell.

Die Wiederaufnahme von Sprachmustern und Methoden der schönen alten Zeiten, als Stalin noch ein Vorbild für die gesamte Linke war, erfolgt nicht nur in der Rede Putins (Link). Sowohl nach innen als auch nach außen werden tonnenweise Lügen verbreitet, „unabhängige“ Journalisten und Medien eingesetzt, uneigennützig aus Liebe zu Russland oder auch weil sie bereit sind, die eine oder andere „Liegenschaft“ dort zu vermitteln.

Kasparow wurde aus der Gruppe der Journalisten heraus auf der sicheren Straßenseite auf direkten Befehl hin verhaftet. Er war nicht an irgendwelchen Kampfhandlungen beteiligt. Seine Zeugen wurden nicht angehört, seine Verhaftung nicht protokolliert und später manipulert. Sein Rechtsanwalt wurde zu ihm nicht vorgelassen, bis zum Anfang der Gerichtsverhandlung, die nicht einmal als eine Farce benannt werden kann. Die Richterin hat ihren Urteil nach der Telefonberatung gefasst. Während der gesamten Haftdauer von fünf Tagen schirmte man Kasparow ab, ohne Kontakte, die ihm zustehen. Das sind Fakten!

Wenn Ehlers in vollem Einklang mit Putin Kasparow als einen westlichen Agenten enttarnt, dann folgt er demselben Muster, wie ein Jahr zuvor bei der Besprechung der Ermordung Politkowskajas – als er fragte, wer davon profitiere (Link):

Dabei ist die Frage nach dem Nutznießer der Interventionen [in Irak] klarer zu beantworten als die nach denen des Mordes: Eine Destabilisierung des Kaukasus nützt weder Russland, noch den kaukasischen Völkern, sondern allein denen, die hier ihre globalstrategischen Interessen durchsetzen wollen. Dazu lese man noch einmal Sbigniew Brzezinski, „Die einzige Weltmacht“, oder höre sich die Reden aus dem neo-konservativen Lager der gegenwärtigen US-Regierung an.

Die vorbildliche linke Zeitung verteidigt Putins Plan. Gut zu wissen. Als Beresowski Putin an die Macht brachte, war er noch gut genug, das zu tun. Jetzt auf einmal sind „Liegenschaften“ woanders zu bekommen: Qui bono?

 

Willemsen und Hildebrandt kennen sich im Talmud aus Sonntag, 18. November 2007

Aus dem November-Heft der Zeitschrift „Konkret“ habe ich erfahren, dass Roger Willemsen und Dieter Hildebrandt – zwei Autoren des Bestsellers „Die Weltgeschichte der Lüge“ – unter anderem auch eine alte antisemitische Lüge verbreiten. Florian Sendtner hat es recherchiert und eindeutig festgestellt: Die beiden netten Herren geben eine der zahlreichen Talmud-Fälschungen unter dem Beifall der Zuhörer in ihren erfolgreichen Programmen als Wahrheit aus.

Ich ergänze: Auch über die armen leidenden Palästinenser wissen beide Fernseh-Philosophen die Welt zu belehren (Link). Unter den 19 besonders wichtigen Lügen der Weltgeschichte, wo die DDR-Lügen noch vor Hitlers Kriegserklärung stehen, wird als Numero 12 auch die folgende rührende Geschichte erzählt:

Die 9/11-Lüge:

Nach dem Terroranschlag gingen Bilder von jubelnden Palästinensern um die Welt. Die Szene war gekauft. TV-Journalisten hatten ihnen dafür Kuchen versprochen.

Das stimmt nicht. Weder im Plural noch in der Intention. Es wurde massenweise gejubelt, nur für die Kameras wurde es einmal extra wiederholt, damit die Kameraleute es besser aufnehmen können. Einzelheiten siehe z.B in der pdf-Datei von Heiko Lietz (Link) auf der Seite 46:

Die tatsächliche Sachlage, dass es „ohne Ende Jubel“ gegeben habe, sei bei der Diskussion glatt untergegangen. Steinhoff, der im Dezember in der West-Bank mit dortigen Kamerateams gesprochen hatte, konnte ganz vereinzelte Medienberichte bestätigen, dass Arafat alle Kassetten habe einsammeln lassen.

So kennen wir Willemsen inzwischen – auf der „richtigen“ Seite, propagandistisch manipulierend auf dem Weg zum ersten Platz auf der Bestsellerliste (Link). Von Knochen zu Kuchen – eine Steigerung. Glückwunsch!

 

just a world press provocation Donnerstag, 19. April 2007

Ein russischer Putin-Fan hat mein Posting in einem amerikanischen Forum verlinkt und verbreitet dort die Desinformation über die Demo: „that rally was not a opinion of suppressed people but just a provocation oriented on the world press.“ (Link) Die KGB-Jugend lernt mit dem Internet umzugehen. Die Realität sieht anders aus.

A Russian Putin fan refered to my post in an American forum and spreads some disinformation about the protests in Russia. The KGB youth learns to deal with the Internet. The reality looks completely differently.

reuters-russia-april-2007.png

 

Eine deutsche Lanze für Michelle Malkin Samstag, 3. März 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 22:30 Uhr
Tags: ,

Zufällig habe ich einen gelungenen Blog-Text entdeckt, in dem es über eine mißlungene Diffamierung seitens der FAZ über die bekannte amerikanische Journalistin Michelle Malkin geht (Link). Gut gemacht! Der Blog von Michelle Malkin ist übrigens immer lesenwert! (Link)

 

Eine Brücke in Jerusalem als Politikum Sonntag, 11. Februar 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 15:44 Uhr
Tags: , , ,

Auch wenn ich davon ausgehe, dass die meisten Leser mündig sind und sich in dieser Sache selbständig informiert haben, fasse ich doch lieber kurz zusammen, was dazu gehört.

Eine Touristenattraktion an der Tempelmauer in Jerusalem ist reparaturbedürftig geworden. Entsprechende Ministerien und Behörden haben die Umbaumaßnahmen geplant und untereinander abgesprochen. Die Arbeit wurde aufgenommen. Nun ist der Verteidigungsminister Peretz beleidigt, er wurde zu wenig informiert, meint er. Anstatt die Information, die er braucht, direkt anzufragen, schreibt er einen Offenen Brief. Die Presse ist glücklich, schließlich ist das ein Beweis dafür, dass der Verteidigungsminister mit dem Premier-Minister des Landes gar nicht kommuniziert. Noch mehr haben sich militante Muslimbrüder gefreut und schnell daraus ihre eigene Suppe gekocht. Die Brücke, die hinter der Mauer repariert wird, wurde kurzer Hand zu einer heiligen muslimischen Stätte umdefiniert, die Hetze ging los. An sich nichts Neues, nur berichten darüber so viele Medien und dies so einstimmig falsch, dass es schon wieder übel wird.

In Bremen war besonders eine Unterschrift zum Foto in der Zeitung „Weser Kurier“ am 9.2.2007 interessant. Auf dem Foto der dpa sieht man einen Passanten, der an den Bauarbeiten vorbei geht. Die Zeitung empört sich:

Ungeliebte Bagger: Araber protestieren gegen Bauarbeiten nahe Klagemauer und Al-Aksa-Moschee in Jerusalem. Der orthodoxe Jude, der die Bauzäune passiert, scheint davon unbeeindruckt zu sein.

Ich stelle fest: Die Bauarbeiten laufen nahe der Klagemauer, aber nicht in der Nähe der Moschee. Der orthodoxe Jude kann  die Proteste nicht sehen – sie laufen nämlich ganz woanders, denn die Polizei arbeitet und lässt die Randalierer nicht in die Nähe der Bauarbeiten. Die Zeitung wirft also dem orthodoxen Juden vor, dass er der dpa über den Weg lief. Hat die Zeitung so wenig Phantasie? Zum selben Foto würde auch so eine Unterschrift passen: „Der orthodoxe Jude wendet sich von dem Anblick der Bauarbeiten ab aus Solidarität mit den Protesten seitens der UNESCO und Moslembrüder“. Oder: „Der orthodoxe Jude bereitet sich auf die Belagerung der Moschee vor“. Oder: „Ein als orthodoxer Jude verkleideter deutscher Friedenskämpfer besichtigt heimlich Bauarbeiten“. Weitere Varianten kann jeder nach diesem Rezept erfinden. Sie werden alle passen oder auch nicht – je nach der Einstellung.

Genauso wie neulich nach dem Selbstmordattentat in Eliat haben deutsche Zeitungen brav das Foto und den Namen des Mörders auf die erste Seite platziert und ihn zu den Opfern gezählt. Die Namen der israelischen Opfer wurden verschwiegen.

 

Politische Unkultur Donnerstag, 26. Oktober 2006

Filed under: Allgemein — peet @ 17:31 Uhr
Tags: , , ,

Die Zeitschrift „Cicero“, angeblich für die politische Kultur verantwortlich, will mit der „Bild“ konkurrieren und greift zu unkorrekten Methoden, um die Leserschaft zu gewinnen. Die Bilanz: Boulevard der politischen Unkultur.

Ein Journalist namens Jürgen Busche saugt sich eine Denunzierung aus den Fingern und aus den Erinnerungen eines anderen Journalisten namens Joachim Fest – gegen Jürgen Habermas gerichtet. Auf dem Cover sieht man groß „Vergesst Habermas!“, der Artikel heißt „Hat Habermas die Wahrheit verschluckt?“, Busche fragt sich: „Gerücht oder Ungeheuerlichkeit?“ Das wäre alles eher etwas für die „Titanic“ – leider meint die „Cicero“ das wohl im Ernst.

Der Text von Busche ist eine Schande für die Zeitschrift. Wer will, kann ihn lesen (Link). Mich hat die folgende Passage besonders beeindruckt:

Es war kein anderer als der junge Jürgen Habermas, der Anfang der fünfziger Jahre als einer der Ersten und mit Durchschlagskraft in der FAZ auf die Nähe von Heideggers Denken zu den Grundlagen der NS-Ideologie hinwies, nicht ganz zu Recht, aber mit Folgen, die heute noch spürbar sind.

„Nicht ganz zu Recht“! Ein Journalist, der einmal ein Buch über Helmut Kohl publizieren durfte, weiß über Heidegger besser Bescheid als Habermas. Ha-ha!

Der Brief von Habermas an die Redaktion ist dagegen sehr wohl zu empfehlen (Link). Ironisch, klar, würdevoll, schön bissig. Ich zitiere daraus den Anfang und den Abschluss:

Jürgen Busche betätigt sich als Denunziant, indem er auf der Grundlage von längst widerlegten Gerüchten Unwahrheiten insinuiert. Wenn man sich den Kreis derer vergegenwärtigt, von denen man weiß, dass sie das Gerücht kolportiert haben – Fest, Lübbe, Koselleck, und (nun erst?) Busche – erkennt man die erneute Denunziation als das, was sie ist: als Fortsetzung einer politischen Hetze, der ich vonseiten der FAZ insbesondere in den 70er und 80er Jahren ausgesetzt war. Fest hat mir offenbar die Kritik an jenen Vordenkern des NS-Regimes übelgenommen, die er in seinem Blatt rehabilitieren ließ. (…)

Wenn der Umstand, dass ich von Herrn Fest posthum – und von dessen ehemaligem Angestellten Busche genötigt werde, mich über diese Lappalien zu äußern, eines lehrt, dann etwas von der Ranküne, die das Klima der Bundesrepublik Jahrzehnte lang vergiftet hat.

Die „Cicero“ dreht das um, legt nach und setzt die Verleumdung fort:

Habermas beschuldigt nicht Fest, sondern Busche. Eigentlich beschuldigt Habermas nicht, sondern verteidigt sich gegen die Verleumdung. Das „Politmagazin“ geht dem nicht nach, sondern gibt einem jeden seine Meinung oder findet einen, der mutig genug ist, um die Verleumdung auszusprechen. Oder wie war es mit den Bild-Parolen? Machen das nächste Heft von „Cicero“ Gäste von der „Bild“? Ist es schon soweit?

UPDATE: Wie ich gerade entdeckt habe, hat Markus Schwering schon am 24.10 im „Kölner Stadt-Anzeiger“ die Story zu Ende recherchiert (Link). Joachim Fest sieht anschliessend nicht gut aus. Die „Süddeutsche“will dieselbe Recherche erst heute gemacht haben, ohne sich auf Schwering zu beziehen (Link). Lehrreich!

 

Eine nette Ente Mittwoch, 25. Oktober 2006

Deutsche Medien berichten über den angeblichen Zwischenfall vor Libanons Küste. Zuerst „Der Tagesspiegel“, dann die anderen. Zum Beispiel auch „Die Süddeutsche“ (Link):

Am Dienstag um 10.11 Uhr hätten sechs israelische F-16-Jäger ein deutsches Marineschiff der UNIFIL-Flotte vor Libanons Küste in geringer Höhe überflogen und „Infrarot-Täuschkörper“ abgeworfen. Aus einer der Maschinen seien aus der Bordkanone zwei ungezielte Schüsse in die Luft abgefeuert worden. Es gebe bereits Gespräche mit Israel auf Regierungsebene, sagte Raabe. Beide Seiten seien an einer weiterhin guten Zusammenarbeit interessiert.

In Wahrheit wurden nur Täuschkörper abgeworfen, da ein Hubschrauber von einem deutschen Marineschiff unangemeldet in Richtung der israelischen Grenze flog. Die unerfahrenen deutschen Offiziere haben die Täuschkörper für Raketen gehalten. Die weitere Ente ist ein Selbstläufer. Glückwunsch!

UPDATE: Die „Tagesschau“ korrigiert im Bericht vom 26.10 (Link):

Es habe sich herausgestellt, dass ein Marine-Hubschrauber von Bord des Einsatzgruppenversorgers „Frankfurt am Main“ aufgestiegen sei. Der Pilot des deutschen Helikopters habe zuvor seine Flugdaten nicht dem israelischen Koordinationshauptquartier mitgeteilt, zudem habe er nicht das Identifikationssystem seines Hubschraubers eingeschaltet, das auf einer vereinbarten Frequenz eine rasche Erkennung des Flugobjekts erlaube.

Die beiden israelischen Kampfflugzeuge hätten auf den Marine-Hubschrauber zugehalten und über die Frequenz, die der deutsche Pilot nicht eingestellt hätte, vergeblich versucht, Kontakt aufzunehmen. Nachdem keine Antwort gegeben worden sei, seien die F-16-Jets auf den Helikopter zugeflogen und hätten – nachdem sie die deutschen Hoheitskennzeichen am Hubschrauber erkannt hätten – abgedreht. Im Verlauf dieses Manövers seien von den Kampfflugzeugen so genannte „Infrarot-Tauschkörper“ zur Raketenabwehr abgeworfen worden. Die Deutschen hätten deswegen wohl geglaubt, dass die Jets auf sie geschossen hätten.

Die „Süddeutsche“ will davon selbstverständlich nichts gewußt haben (Link).

 

Ein Quiz nicht nur für Blogger Freitag, 18. August 2006

Filed under: Allgemein — peet @ 21:51 Uhr
Tags: , ,

Die mediale Manipulation geht weiter, auch nach der heißen Phase des Krieges im Nahen Osten. Ist man vor Lügen gewappnet? Die hier verlinkte Umfrage hilft sich zu testen.

Habt ihr alle Fragen richtig beantwortet?