Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Julia Latynina über doppelte Standards Sonntag, 25. Juli 2010

Julia Latynina gehört zu den schärftsten Kritikern der aktuellen russischen Politik, aber auch zu vielen anderen Themen hat sie sich pointiert ausgedrückt. Oft geht sie zu weit, meist aber trifft sie den Kern der Sache. Hier zum Beispiel kommt ein einleuchtender Vergleich (Link):

Man spricht oft über die Politik der doppelten Standards. Ich bin davon überzeugt, dass diese Politik ganz richtig ist. Das Einzige, worauf die Weltpolitik basieren sollte, sind eben dopellte Standards. Wolfshunde tun das Richtige, und Kannibalen tun das Falsche. So sind doppelte Standards. Schlecht ist es allerdings, wenn die doppelten Standards inversiv verstanden werden und einige Staaten anfangen zu erzählen, dass Kannibalen im Rechte sind und Wolfshunde nicht.

Schnell googeln und den ersten besten Unterschied sich merken (Ein Gespräch zwischen Michael Walzer und Ulrich Speck in der Frankfurter Rundschau):

Was Sie beschreiben, ist ein Doppelstandard: Man fordert mehr von Israel, als man von anderen fordert. Liegt das nicht vor allem daran, dass Israel Teil der westlichen Welt ist?

Ich denke nicht, dass der gleiche Standard auf andere westliche Demokratien angewandt worden ist. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass irgendein europäischer Linker während des Algerienkriegs die Legitimität Frankreichs in Frage gestellt hätte. Aber stellen wir das mal beiseite. Der Standard für Israel ist zu recht hoch. Wer diesen Standard anwendet, muss aber anerkennen, dass zwar Israel ein demokratischer, die Menschenrechte respektierender Staat ist, dass aber die benachbarten arabischen Staaten, einschließlich des entstehenden Staates Palästina, dies nicht sind. Und das hat Konsequenzen für die Art von Kompromissen, die man von Israel erwarten kann.

Die Sicht von Julia Latynina macht das viel klarer.