Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Einmal Uri Avnery lesen Freitag, 16. Juli 2010

Der wichtigste Ellen-Rohlfs-Graphoman ist, wie bekannt, Uri Avnery, der dank diesem Umstand auch zum Lieblingsautor der friedensliebenden deutschen Linken avancierte. Man kann seine Ergüsse kaum ertragen, sie sind aber da, aktuell am meisten beim Boulevard-„Freitag“. Und sie werden gelesen und als sympathisch betrachtet. Nehmen wir nur ein aktuelles Beispiel und zeigen, was daran faul ist.
Am 15. Juli hat „der Freitag“ die wöchentliche Portion Avnery geliefert, diesmal der Bildung der Untersuchungskommission über den Vorfall um die so gennante Gazaflottille gewidmet. Es geht gleich los (Link):

Der Streit, welche Kommision mit welchen Rechten den Angriff auf die Gaza-Flottille am 31. Mai untersuchen soll, gerät zur Schlacht um Werte der Demokratie.

Avnery und seine erfahrenen Leser gehen davon aus, dass Israel – wie übrigens auch jeder andere nicht sozialististische Staat – keine Demokratie ist. Deswegen müssen Avnery und Konsorten den Kampf um die Demokratie hoch halten, sonst gibt es keine Demokratie. Alle anderen wissen, wie es in Israel um die Bildung der Kommissionen steht, und wissen auch, wie wenige Staaten der Welt diesen hohen Ansprüchen genügen. Das wird bei Avnery immer verschwiegen.

Ein Sieg ist ein Sieg. Ein großer Sieg ist besser als ein kleiner, und ein kleiner Sieg ist besser als eine Niederlage. Auch für unseren Friedenskreis von Gush Shalom. Der hatte unmittelbar, nachdem die Turkel-Kommission nominiert war, um den Vorfall mit der Gaza-Flottille zu untersuchen, beim Obersten Gericht ein Gesuch eingereicht und verlangt, eine qualifizierte staatliche Untersuchungskommission zu benennen. Kurz vor der anberaumten Anhörung rief das Büro des Justizministers unsere Anwältin Gabi Lasky an, um mitzuteilen, der Ministerpräsident habe im letzten Augenblick entschieden, der Kommission mehr Befugnisse zu geben.

Weil außer dem Avnery-Fan-Club keiner von seiner enormen Bedeutung als Kämpfer für Demokratie überzeugt ist, muss Avnery selbst dafür sorgen. Deswegen bildet er sich ein, zumindest zu Beginn des Artikels, dass es nur dank ihm möglich wurde, dass die Kommission so und nicht anders gestaltet wird. Am Ende des Artikels vergisst er das und erwähnt die wahren Gründe dafür:

Unmittelbar nachdem er [gemeint ist hier Richter Turkel, der Leiter des Kommission] das Amt zu Netanyahus Bedingungen angenommen hatte, drohte er mit Rücktritt, sollten seine Vollmachten nicht vergrößert werden. Netanyahu gab nach.

Es hat also doch nichts mit Avnery, seiner Friedensgruppe und seinem Anwalt zu tun.
Das Wichtigste ist ein kurzer Satz, der ziemlich versteckt ist:

Das Entern der Gaza-Schiffe hat die ganze Welt gegen uns aufgebracht und dem Verhältnis zur Türkei einen Schlag versetzt.

Hier dreht Avnery den Spaß um. Die israelische Regierung hat aufgrund des permanenten Kriegszustandes eine Seeblockade verhängt und setzt sie durch. Das interessiert Avnery nicht, er geißelt die imperialistische Politik der Willkür. Fakten gehören nicht in sein Bild, sie werden außer Acht gelassen. Genauso ist es mit dem Verhältnis zur Türkei. Die türkische Regierung arbeitet seit Jahren daran, das Verhältnis zu Israel herunterzubringen, provoziert und beleidigt. Jeder Versuch der israelischen Regierung, das zu verhindern, mit guten oder schlechten Methoden, wird minutiös analysiert, die Handlungen Erdogans dagegen nicht einmal beim Namen genannt. Die Flottille ist eine martialische Provokation, eine feindselige Einmischung der Türkei in den laufenden Krieg.
So erschafft Avnery seine Wirklichkeit. Seine Leser sind ihm dafür dankbar, nicht wahr?

 

Von Jordanien in die Türkei Montag, 12. Juli 2010

Filed under: Antisemitismus,Blogging,Israel — peet @ 20:03 Uhr
Tags: , , , ,

… führt eine seltsame Reise. Am 19. März 2010 wurde das folgende Foto in Jordanien gemacht (Link):


Im Juni 2010 berichtet ein Augenzeuge, dass ähnliche Plakate auch in der Türkei zu sehen sind (Link): „No entrance for dogs and Jews“. Lior Zaguri schreibt weiter:

The header was taken from signs that were hanged at the entrance to big markets and offices in Turkey in the past few days, in June of 2010[…]

Eine interessante Tendenz. Was denken die reisenden Touristen und Urlauber darüber?

 

Türkische Ex-Diplomaten kritisieren Erdogan Samstag, 19. Juni 2010

Filed under: Medien,Politik — peet @ 21:44 Uhr
Tags: , , ,

Die erste Kritik aus Türkei, klare Worte. Erdogan wird sich wohl ärgern. Gut. Warum so spät, warum so kleinlich, warum so wenig Resonanz?

 

Auch die FAZ sieht das ein Sonntag, 13. Juni 2010

Am 10.6.2010 hat die FAZ einen ruhigen und sachlichen Artikel von Joseph Croitoru publiziert. Darin sind die notwendigen Infos über die islamistische antisemitische Organisation IHH, über deren Unterstützer in der türkischen Regierung und deren Verbindungen zur Hamas aufgesammelt. Endlich ist ein Fachmann zum Schachzug gekommen. Irgendeine Reaktion der türkischen Community in Deuschland? Auu?

 

Mark Steyn über Europa heute Sonntag, 6. Juni 2010

European Muslim populations are young, fast-growing, and profoundly hostile to Jews. European Jewish populations are old, fading, and irrelevant to domestic electoral calculations.

Und weiter:

NATO’s only Muslim member has decided it would rather be friends with Iran, Sudan, and Syria.

(Link).

 

Die Reaktion der israelischen und türkischen Intellektuellen Samstag, 5. Juni 2010

In der FAZ wurden zwei gutmenschliche Texte aus Israel wiedergegeben, wie immer die eine Stimme, die man hören, lesen und an das Publikum weiterleiten will, welches genauso denkt im sicheren Glauben, man sei Israels Freund.

Diesmal sind es schon wieder Schriftsteller. David Grossman fantasiert sich aus den islamistischen Schachiden „Zivilisten“, die für ihre „Meinungsäußerungen“ „kaltblütig getötet“ wurden. Er wünscht sich „Frische, Originalität und Kreativität“ von Israel, um den Konflikt zu lösen. Mit solchem Klamauk ausgestattet muss er keine konkreten Vorschläge machen, das ist doch nicht seine Aufgabe, er ist dafür da, die anderen moralisch zu versorgen.

Am anderen Tag ist auch Amos Oz da, der sich für die Fähigkeit seines Landes, sich zu verteidigen, entschuldigt und Buße tut.  Dieser wünscht sich auch Verhandlungen und viel mehr, zum Beispiel, „eine Idee, die attraktiver und akzeptabel ist“, um Palästinenser von der Hamas abzuwenden. Diese Idee müssen die anderen erschaffen, Oz möchte das so sehr. Er glaubt weiterhin im vollen Ernst: „Dieser Konflikt ist letztlich nur durch Verhandlungen mit der Hamas zu lösen, sinnvoller noch mit der Hamas unter Einbeziehung von Abbas‘ Fatah.“ Er sieht ganz klar: Wenn Israel seiner Logik nicht folgen würde, werde das „zu noch mehr Katastrophen führen.“ Die andere Kriegspartei muss nichts tun, sondern Oz und Grossman sprechen lassen. Aber:

Die türkische Regierung, die jetzt endlich die Kurden vergessen lassen kann, kümmert sich besser als alle anderen Weltprediger um die Palästinenser. Und sie weiß auch besser, wie man mit Information umgeht. Bevor die eigene Bevölkerung doch erfährt, wie Islamisten auf direktem Weg zur kriegerischen Einmischung in den schon laufenden Konflikt geschickt werden, soll die Informationssperre das verhindern. In der Türkei wurde gestern der Zugang zu Youtube und Google gesperrt (Link).

So kann man leicht merken, wie unterschiedlich die Reaktionen aussehen. Proteststimmen aus Israel sind sofort in der FAZ. Wo sind Proteststimmen aus der Türkei? Ein Erdogan, ein Volk? Unterstüzen sie alle die Hamas?

 

Verbindungen zwischen der Türkei, IHH und der Hamas Freitag, 4. Juni 2010

Filed under: Israel,Medien — peet @ 22:38 Uhr
Tags: , , , , ,

Ein Interview mit Jean-Louis Bruguiere, einem französischen Untersuchungsrichter, der u.a. dafür bekannt ist, dass er Carlos fassen konnte, – bei AP, zitiert von Fox News am 2.6.2010.